Mit dem Bergpfarrer hat der bekannte Heimatromanautor Toni Waidacher einen wahrhaft unverwechselbaren Charakter geschaffen. Die Romanserie läuft seit über 13 Jahren, hat sich in ihren Themen stets weiterentwickelt und ist interessant für Jung und Alt! Toni Waidacher versteht es meisterhaft, die Welt um seinen Bergpfarrer herum lebendig, eben lebenswirklich zu gestalten. Er vermittelt heimatliche Gefühle, Sinn, Orientierung, Bodenständigkeit. Zugleich ist er ein Genie der Vielseitigkeit, wovon seine bereits weit über 400 Romane zeugen.
Diese Serie enthält alles, was die Leserinnen und Leser von Heimatromanen interessiert.
Es war, obwohl sich der Tag seinem Ende zuneigte, noch immer heiß. Der Radweg, der neben der Landstraße verlief, war zwar eben, dennoch kam der Bergpfarrer leicht ins Schwitzen. Er achtete nicht darauf, sondern legte sich zurecht, was er Cornelia Richter sagen wollte, außerdem nahm er sich vor, sie nicht mit Samthandschuhen anzufassen. Ihr stand das Wasser bis zum Hals, der Richterhof stand dicht vor dem Ruin, und Cornelia tat, als würde sie das alles nicht berühren. Sebastians Hoffnung, dass sie und ihr letzter Verehrer, der Horst Messerer aus Engelsbach, ein Paar werden würden, hatte sich zerschlagen, als Horst draufgekommen war, dass der Richterhof hochverschuldet und insolvent war. Da er, nachdem sein Bruder die elterliche Landwirtschaft übernommen hatte, eine hohe Abfindung erhielt, verdächtigte er Cornelia, es nur auf sein Geld abgesehen zu haben. Andrea, Cornelias Schwägerin, hatte ihm, Sebastian erzählt, dass Cornelia lediglich geäußert habe, dass Horst sowieso nicht ihrer Vorstellung entsprochen habe. Sebastian fand Cornelias Verhalten hoffärtig. Andrea, gewissermaßen die letzte Säule, die den Hof noch stützte, wollte mit ihrem Geliebten, einem italienischen Eisdielenbesitzer, den Winter in Italien verbringen. Andrea hatte es satt, einen geradezu aussichtslosen Kampf um den Hof zu führen. Sie hatte das Gefühl, auf verlorenem Posten zu stehen und wollte nicht länger zusehen, wie Cornelia den Hof mehr und mehr in die Pleite manövrierte. Die Sonne stand jetzt über dem Hochgebirge im Westen. Ihr grelles Licht brachte einige Wolken, die sich vor sie geschoben hatten, regelrecht zum Glühen. Ruhe und Frieden lagerten über dem Wachnertal. In den Sträuchern und Baumkronen zwitscherten die Vögel. Eine schmale, befestigte Straße zweigte von der Landstraße ab. Die führte zum Richterhof. Es waren nur noch wenige hundert Meter, dann lenkte Sebastian sein Fahrrad auf den Hof des Anwesens. Vor dem Wohnhaus stieg er vom Rad und schaute sich um. Hier sah in der Tat alles ziemlich heruntergewirtschaftet und vernachlässigt aus.