Moderne Variante des Faust-Motives; eine junge Frau streift unsichtbar, aber nicht spurlos durch 300 Jahre Geschichte
Adeline LaRue flieht am Tag ihrer arrangierten Hochzeit mit einem älteren Witwer, den sie nicht liebt, in den Wald und trifft dort auf den Teufel, der ihr Freiheit und ein beliebig langes Leben anbietet im Gegenzug für ihre Seele, die er bekommt, wenn sie ihres Lebens überdrüssig ist. Der Haken: Kaum ist sie aus dem Blickfeld des Gegenübers verschwunden, ist sie auch schon vergessen und sie kann nichts von Dauer mit eigenen Händen erschaffen, etwa Bilder malen oder ihre Geschichte aufschreiben. Selbst ihr eigener Name kommt ihr nicht mehr über die Lippen - kurz die junge Frau wird zu einem Geist, der peu a peu seinen Radius erweitert und erst knapp 300 Jahre später trifft sie zufällig Henry - und der erinnert sich an sie. Man sollte kein Buch erwarten, das sich allzu tief in die historischen Details vertieft. Die Ereignisse und Gegebenheiten der jeweiligen Zeit sind eher Kulisse. Im Mittelpunkt steht stets Adeline/Addie, was der Fluch für sie bedeutet (das wird in Rückblenden erzählt) und ihre Beziehung zu Henry in der Ist-Zeit. Richtig an Fahrt nimmt das Buch dann auch erst zum Schluss hin auf, davor ist es eher ruhig erzählt. Dabei spielt die Autorin mit einigen wirklich schönen Ideen. Addie wird zur Muse für (fiktive) Kunstwerke und findet so einen Weg, Spuren zu hinterlassen - auch wenn sie eine Unbekannte bleibt: Ideen sind etwas anderes als Erinnerungen.Begeistern konnte mich vor allem die Entwicklung der Figur, wobei das sich eigentlich erst in den letzten Kapiteln tatsächlich offenbart. Das Ende ist sehr gelungen.Insgesamt ein Buch mit einer richtig runden Story; das war auch mal wieder schön ...