Die infolge der Krise der liberalen deutsch jüdischen Kultur einsetzende Renaissance der jüdischen Theologie versteht sich auch als politische Reorientierung. Hermann Cohens 'Religion der Vernunft' von 1918 versuchte noch, eine Synthese von kantischer Aufklärung und prophetischer Theologie zu entwerfen, die eine Rettung der jüdischen Nation im Rahmen der messianischen Utopie der Aufklärung vorsieht. Dagegen fordern die verschiedenen Versionen der politischen Orthodoxie (Isaak Breuer, Elias Bickermann) und der national zionistischen politischen Theologien (Jacob Klatzkin, Gershom Scholem) - zumal angesichts der aufziehenden nationalsozialistischen Gefahr - einen Auszug aus dieser säkular - liberalen Kultur. Gegen die sich abzeichnende Konfrontation zwischen der Orthodoxie und dem säkularen Zionismus versuchen der spätere Gerschom Scholem und vor allem Martin Buber eine neue Version der jüdischen Aufklärung als Dialog zwischen Philosophie und Theologie zu entwerfen. Diese Legitimation der jüdischen Moderne entspricht tatsächlich einer 'postsäkularen' Legitimation von Hermann Cohens ethischer Theologie auf zionistischer Grundlage.