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https://www. deutschlandfunk. de/hanna-sohns-ueber-wildwuchs-der-worte-zum-schreiben-von-clarice-lispector-100. html
Nora Karches, Deutschlandfunk, 17. 12. 2025
"Der 'Kern' des Lebens, wenn man so will, ist nicht hart und fest, sondern flüssig und chaotisch. Deswegen spiele die Figur der Qualle in 'Aqua viva' eine so wichtige Rolle, und mehr noch der weiße Brei aus Innereien in 'Die Passion nach G. H.'. Die zerteilte Schabe sei Lebendigkeit ohne jede Transzendenz: 'Wenn es eine Nähe zur mystischen Literatur gibt, so nur zu einer radikalen Form mystischen Denkens, in der nicht die Erfahrung der Gnade, sondern ihr Fehlen im Zentrum steht.' Lispector verfolge nicht das Ziel, die Welt zu ordnen und zu verstehen. Sie wolle, schreibt Sohns, die Dinge vielmehr in ihrer Fragilität und Flüchtigkeit bewahren, statt sie in ein Korsett aus Sprache zwingen. Es gehe ihr um den titelgebenden 'Wildwuchs der Wörter'."
Tobias Lehmkuhl, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. 9. 2025
"Ihr Werk ist bei uns nach wie vor ziemlich unbekannt. Clarice Lispector (1920-1977) wurde in der Ukraine geboren und fand nach ihrer Flucht vor allem in Rio de Janeiro eine neue Heimat. Sie wurde zur bedeutenden Stimme der brasilianischen Literatur. Hanna Sohns begibt sich in diesem biografischen Essay auf die Spuren der Autorin. In 15 Kapiteln nähert sie sich deren Leben und Schreiben, das Belletristik ebenso umfasste wie Kinderliteratur und journalistische Arbeiten. So ermöglicht Sohns einen gewissenhaften Blick über ein Werk, dessen Entdeckung sich lohnt."
Michael Schleicher, Münchner Merkur, 9. 2. 2026