In einer bezaubernden Landschaft spielend, in der die Akteure einen Lebensstil pflegen, in der Herzlichkeit genauso dazugehört wir die Mafia
Es wird noch in Lira gezahlt, ein Münzfernsprecher gehört zum typischen Ortsbild und der Begriff "Flatrate" ist noch ein Fremdwort, was auf seine Entdeckung wartet. Ansonsten ist viel Fantasie gefragt, die, zunächst befeuert wird, durch die wirklich herausragende Coverbilder dieser Serie, dann allerdings im weiteren Verlauf nur rudimentär bedient wird. Und so entsteht vor dem Auge des Lesers eine je unterschiedliche Landschaft, in der die Akteure einen angenommen "sizilianischen Lebensstil" pflegen, in denen die Herzlichkeit genauso dazugehört wie die Mafia. Und aus diesem Gemenge ergeben sich nahezu zwangsläufig die unterschiedlichsten Geschichten.In diesem engen Rahmen ist es allerdings unvermeidbar, dass sich gewisse Szenen wiederholen und auch die etwas schrulligen Verhaltensweisen der Akteure irgendwann ausdekliniert sind. Auch die Vorlieben des Commissarios auf gutes Essen und dem gewünschten Abstand zu seiner Lebensgefährtin verschwinden in ihrer anfänglichen Extravaganz bald im Rahmen des Gewohnten. Und dennoch ist da dieses Besondere, dieses nicht ganz Durchdringbare, diese menschliche Seite des Commissarios, die weiß, dass die Verbrechen nie aufhören werden und es daher darauf ankommt, nicht nur den oder die Täter zu stellen und zu bestrafen, sondern auch den Opfern zu einer Art "menschlichem Recht" zu verhelfen, fern ab von feinziselierter juristischer Rechtsprechung.Dieser Balanceakte zwischen den verschiedenen menschlichen Charakteren und ihren Handlungen bzw. Taten, von ganz böse bis ganz lieb (um es einmal vereinfachend auszudrücken) werden auch in diesem Fall hervorragend herausgearbeitet. So näheren sich Sicht- und Denkweise des "Sizilianers" und die des Lesers langsam an. Dabei kommt es gar nicht auf Stimmigkeit an, sondern darauf, was jeder daraus macht. So ähnlich wie hier in einem Nachtrag des Autors erwähnt: "Ein Kritiker schrieb in einer Rezension meines Buches "Der Hund aus Terrakotta" [2. Fall], Vigàta, diese Stadt, die auf keiner Landkarte zu finden ist und in der alle meine Romane spielen sei "'die erfundenste Ortschaft im typischsten Sizilien'. [...], dass Namen, Orte und Situationen in diesem Buch ganz und gar erfunden sind. [...] Wenn Fantasie und Wirklichkeit übereinstimmen, dann ist daran meines Erachtens die Wirklichkeit schuld."Bedarf es bei einer solchen Betrachtung noch einer Inhaltsangabe? Zur Beschreibung des Falls - möglicherweise. Aber grundsätzlich ist viel Fantasie gefragt - und der Appetit kommt bekanntermaßen beim Essen respektive Lesen ...(11.2.2024)