Vergessene Zeiten
Wir denken, wir wissen viel über unsere Vergangenheit. Doch dieses Hörbuch zeigt mal wieder, dass dem nicht so ist. Denn ich wusste nichts von den Mädchen und Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Island waren, um dort zu arbeiten.
Doch genau in diese Welt nimmt uns die Autorin mit.
Im Sommer 1949 reist die junge Deutsche Elsa nach Island, um wie viele andere Frauen für ein Jahr auf einem Bauernhof zu arbeiten. Während sie um ihre verstorbene Freundin Sola trauert und sich in der fremden Umgebung zunächst verloren fühlt, wächst sie langsam in das Leben auf dem Hof hinein. Dann wird Elsa zunehmend von dem Geheimnis um die verschwundene Tochter der Familie fasziniert, über die niemand sprechen möchte.
Ein Buch, das nicht laut ist, nicht auf Effekthascherei aus ist und auch nicht gefallen will. Es will uns die Geschichte rund um die etwa 300 bis 500 deutsche Frauen erzählen, die zwischen 1949 und 1951 nach Island gezogen sind. In Island fanden sie auf Bauernhöfen Arbeit und eine neue Perspektive, da dort viele Frauen fehlten.
Doch das war natürlich nicht leicht. Auch wenn es eine Perspektive gab, mussten Familie, Heimat und Freunde zurückgelassen werden. Und auch wenn man das durch den Krieg bereits verloren hatte, war da dieses komplett neue Land mit einer anderen Sprache.
All diese Emotionen und Erlebnisse erzählt uns also die Autorin aus der Perspektive von Elsa. Die am Ende für so viele Frauen steht, die das erlebt haben. Der Schreibstil ist angenehm und man kann die raue Landschaft und die Menschen dort fast schon greifen.
Auch die Protagonisten fand ich stimmig und ich habe sie beim Lesen eigentlich immer vor mir gesehen.
Ein Hörbuch, nicht für jede Stimmung. Aber dennoch eins, das man gelesen haben sollte.