Euphemistischer Titel - traurig schön; eine Ode an die Antihelden unserer Gesellschaft
Mit dem Sprecher Fabian Busch tauchen die Hörenden in eine kleinstädtische, amerikanische Welt ein, die einst als großes Versprechen von einer besseren Zukunft Menschen aus Europa und Asien anzog. Nun fristen sie ihr Dasein wie Gestrandete, die ihre jämmerliche Existenz mit harten Jobs bei Mindestlohn und Pillen oder Alkohol aufrecht zu erhalten versuchen.Tragischer Held ist Hai, der sein Studium in New York abgebrochen hat, nachdem sein Freund bei einer Überdosis ums Leben gekommen ist. Um seine Mutter nicht erneut zu enttäuschen, täuscht er ein Medizinstudium in Boston vor. In Wirklichkeit weist er sich in eine Entzugsklinik ein, die er nach ein paar Wochen ungeheilt verlassen muss und komplett lost bei der alten, kriegstraumatisierten Grazina unterkommt. Hier findet er einen Zufluchtsort, der es ihm ermöglicht, sich einen Job zu suchen und gleichzeitig um die alte Frau zu kümmern. Bei all der Tristesse und Aussichtslosigkeit sind es die Freundschaften, die sich unter den Außenseitern bilden und sie am Leben erhalten. Es gibt ein Verständnis füreinander und einen Zusammenhalt, der vermeintlichen Schwächen wie Drogensucht, dem Glauben an eine fixe Idee oder Verschwörungstheorie und Depression Raum lässt. Der Titel bezieht sich vermutlich auf die Kaiserschweine, die nicht so heißen, weil es besonders tolle Schweine sind, sondern weil sie dem Kaiser als Nahrung dienten. Hai und seine Kolleg:innen helfen an einem Tag bei der Schlachtung von Schweinen, was ihn nachhaltig verstört. Das war tatsächlich ein Kapitel, welches ich überspringen musste. Überhaupt, der Text ist keine leichte Kost und bedürfte einiger Triggerwarnungen. Er ist schwermütig, traurig und die Situation Hais ist aussichtslos. Manchmal blitzen kleine Hoffnungsschimmer auf, denen der Autor aber nicht nachgeht. Es bleibt offen, wie Hais Geschichte ausgeht. Während es von den anderen Figuren einen kleinen Ausblick gibt, lese ich das offene Ende bei seiner Figur so, dass er sich voraussichtlich doch noch umbringt. Bei all dem negativen Vibe ist "Kaiser der Freude" ein poetischer, bezaubernder Text, dessen Atmosphäre der Sprecher Fabian Busch gekonnt durch die 13,5 Stunden Hörzeit trägt.