Das Cover zeigt im Hintergrund einen Plattenbau. Davor hängt quasi mittig ein Banner, das dem Cover ein wenig Farbe gibt. Darauf steht senkrecht der Titel des Buches, und unten sitzt die Autorin selbst auf einer Bank. Mir fiel das Cover direkt ins Auge und ich finde es passend zur Geschichte.
Trotzdem zuhause von Tupoka Ogette erschien im Penguin Verlag. Es ist eine autobiographische Erzählung, in der die Autorin mich als Leser von ihrer frühen Kindheit bis ins Hier und Jetzt mitnimmt. Sie wurde 1980 in Leipzig geboren. Ihre Eltern stammen aus der ehemaligen DDR und aus Tansania, wobei sie bei ihrer weißen Mutter und ihren Großeltern aufwuchs. Die Erzählung spielt zwischen Gera in Thüringen und Sange in Südtansania.
In Etappen zeigt Tupoka Ogette mir als Ich-Erzählerin die Abgründe der Menschheit, denen sie ausgesetzt war. Ich selbst bin nur ein Jahr jünger als die Autorin und wuchs in einer normalen Familie im Westen von Deutschland auf. Teilweise fassungslos bin ich den Schilderungen gefolgt, doch sie zeigen leider die Wirklichkeit in all ihrer Engstirnigkeit. Ich möchte hier gar nicht auf Details eingehen. Die musst du einfach selbst lesen oder dir von der Autorin vorlesen lassen, denn Tupoka Ogette hat das Hörbuch selbst eingelesen. Ich habe das Buch teilweise gehört und hatte das Gefühl, dass mir die Geschichte dadurch noch viel näher ging, als beim Lesen. Mit großer Sachlichkeit werden die übelsten Erfahrungen erzählt, da kann ich einfach nur den Hut vor ziehen.
Es ist ein Buch, das ganz subjektiv, aber dennoch sachlich zeigt, dass wir noch lange nicht in einer Gemeinschaft angekommen sind, in der es egal ist, wie man aussieht, was man liebt und aus welchem familiären Umfeld man kommt. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie uns Kinder von Beginn an weltoffen erzogen und uns gezeigt haben, dass jeder Mensch gleich viel wert ist. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich das erste Mal eine Person mit anderer Hautfarbe gesehen habe und meine Mutter sehr deutlich gemacht hat, dass man niemals auf andere Menschen zeigt, die nicht so aussehen wie wir.
Die Geschichte hat mich auf mehrfache Weise tief berührt. Stellenweise habe ich einfach sprachlos weitergelesen, weil mir diese pure Ungerechtigkeit nicht in den Kopf gehen wollte. Ich habe schon viel über das Leben in der ehemaligen DDR aus den Erzählungen meines Mannes und seiner Familie gehört, und so waren mir die kuriosen Machenschaften durchaus ein Begriff.
Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, habe ich größten Respekt vor der Autorin. Inzwischen arbeitet sie seit Jahren als Rassismusberaterin in Deutschland.
Die Erzählung ist zwischendurch immer wieder mit passenden Zitaten gespickt, die die Geschichte etwas auflockern, aber auch untermalen.
Es ist ein Buch, das unbedingt in die Schullektüre aufgenommen werden sollte. Die Erzählung lädt dazu ein, über so viele wichtige Themen zu diskutieren und sie im Klassenverband zu bearbeiten. Denn leider ist der Inhalt immer noch topaktuell, und es wird zu viel aus Angst einfach nicht gesagt.
Bist du ein Kind der 80er Jahre? Hast du den Mauerfall noch bewusst wahrgenommen? Bist du offen für ehrliche Geschichten, die vor der Wahrheit nicht haltmachen? Dann habe ich hier einen aufrichtigen und sehr berührenden autobiographischen Roman für dich. In Trotzdem zuhause erzählt Tupoka Ogette ihre Geschichte. Sie lässt dich teilhaben an all der Ungerechtigkeit, der sie ausgesetzt war. Und doch zeigt sie auch, dass sie nicht zerbrochen ist, sondern ihre Erkenntnisse und Erlebnisse nun als Rassismusberaterin einsetzt. Damit versucht sie aktiv daran mitzuwirken, dass andere ihre Erfahrungen nicht machen müssen. Für mich war es ein berührendes Buch, das mich zum Nachdenken gebracht hat. Es sollte von jedem gelesen werden, der vor der Wahrheit die Augen nicht verschließen möchte. Für mich gehört es ganz klar auf meine Top Ten für 2026, denn es lässt mich so schnell nicht wieder los.