Düsteres Märchen mit großartigen Figuren, emotionalen Szenen, aber auch typischen kingschen Längen.
Charlie Read verliert in jungen Jahren seine Mutter bei einem Unfall. Sein Vater kann sich auch nicht wirklich um ihn kümmern, da er in seiner Trauer dem Alkohol verfallen ist. Viele Jahre später, als sich die Situation gebessert hat, Charlie inzwischen 17 Jahre alt ist, hilft er seinen einzelgängerischen Nachbar Howard Bowditch in seiner Not. Dieser vertraut ihn ihm ein Geheimnis an, was Charlie eine andere Welt entdecken lässt und erfährt, dass er dazu auserkoren ist, um diese zu retten. Bei dem Buch kann ich wirklich behaupten, dass es sich angefühlt hat, als würde man zwei Bücher lesen statt eines. Es hat sicherlich 300 Seiten, wenn nicht länger (ich habe es als eBook gelesen), bis Charlie überhaupt in die andere Welt hinabgestiegen ist. Am Anfang hat es sich wie eine... ich bin mir nicht sicher, wie man solche Geschichten nennt, wie eine Found-Family-Story gelesen. Es war einfach toll, wie man Charlie kennengelernt hat und wie einem auch nähergebracht wurde, wie er unter der Alkoholsucht seines Vaters, die durch den Tod seiner Mutter ausgebrochen ist, gelitten hat. Dabei ging es nicht darum, dass sein Vater aggressiv oder gar gewalttätig war, sondern dass dieser einfach nicht für ihn da sein konnte und Charlie schon früh lernen musste, wie man selbstständig auf den Beinen steht.Und dann später, wie er Mr. Bowditch kennengelernt hat und wie Charlie es geschafft hat, sich mit diesem kauzigen, nicht besonders umgänglichen Mann anzufreunden. Aber noch mehr hat mich die Geschichte rund um die Schäferhündin Radar berührt, was aber auch meiner eigenen momentanen Situation zuzuschreiben ist. Wie mussten leider unsere Shih Tzu Hündin Sunny am 05.02. einschläfern lassen und da sind mir ein paar Passagen in dem Buch wirklich schwergefallen. Gleichzeitig haben sie mir auch durch diese Zeit etwas geholfen, zumal Charlie im Buch eine Möglichkeit hatte Radar auf andere Art zu helfen. Und sie wurde als so tolle und treue Hündin beschrieben. Man hat es gemerkt, dass King selbst einen Hund hat und dadurch ein ganz eigenes Gespür hat, einen Hund in einer Geschichte zu beschreiben, als jemand, der keinen hat und diesen nur als Mittel zum Zweck nutzt. Als Charlie dann in der Anderwelt war, hat die Geschichte für mich eine ganz andere Atmosphäre bekommen und es sich angefühlt, als würde ich jetzt einen zweiten Teil lesen, der aber ganz anders aufgebaut ist, als der Erste. Positiv war natürlich wie man die einzelnen Figuren in Empis kennenlernt. Stephen King ist ein Meister darin, einen die Figuren näher zu bringen. Und dafür braucht er gar nicht viele Worte, damit man als Leser weiß, wen man vor sich hat - ob die Guten oder die Schlechten. Da waren einige Figuren dabei, die man sehr schnell liebgewonnen hat, wie Charlie oder sie gehasst hat wie Charlie.Kein Wunder, denn durch die Ich-Perspektive ist man immer nah an Charlie dran und durch den ersten Teil hat man Charlie gut kennengelernt. Gleichzeitig ist Charlie nicht nur der strahlende Held, sondern er hat auch seine dunklen Seiten, die ungeschönt angesprochen und dargestellt werden. Er war der absolute Sympathieträger der Geschichte und auch wenn er Sachen gemacht hat, die grausam waren, hat seine positive Ausstrahlung vieles wieder wettgemacht. Die Welt wurde auch ziemlich detailreich beschrieben und es war wie ein Märchen, wenn auch eines der sehr düsteren. Es war keine aufgehübschte Disneygeschichte, sondern sowie man sie wohl in den originalen Grimm-Märchen lesen würde.Es reicht letzten Endes nur deshalb nicht zum Highlight, weil es doch ein paar Längen in dem Buch gab, die man zwar bei King kennt, mir aber letzten Endes mit dem Bruch zum ersten Teil doch zu viel waren. Es ist eine Geschichte, die mir im Gedächtnis bleiben wird (allein wegen Radar), aber die für mich nicht an "Es", "Billy Summers", "The Green Mile", "Sleeping Beauties"... nicht ganz heranreicht. Fazit:Das Buch hat mir sehr gefallen. Vor allem der Anfang, wie die Figuren aufgebaut wurden und diese Verbindung zwischen Charlie und seinem Nachbar entstand, aber vor allem wie er die Hündin Radar lieben lernte. King hat es einfach drauf, einen die Figuren näher zu bringen. Dem war auch so, als Charlie schließlich in der anderen Welt war. Prägend war für mich vor allem die Figuren, wenn auch die Welt gutgeschrieben war. Dennoch hat mich dieser Teil etwas verloren, weil mir der Anfang besser gefallen hat und es sich angefühlt hat, als würde man zwei verschiedene Bücher lesen. Es gab in diesem Teil auch die typischen kingschen Längen. Insgesamt hat mir das Buch wirklich richtig gut gefallen, aber es reicht nicht ganz für ein Highlight.