Nostalgischer Neunziger-Teen-Horror mit Found-Family-Herz und cleverer Meta-Ebene, aber etwas zu schnellem Showdown.
Bill Wood, britischer Buchhändler und BookToker mit einer riesigen Community, legt mit "Let's Split Up" ein YA-Horror-Debüt vor, das jedes Scream-Fan-Herz höherschlagen lässt. In der Highschool-Welt von Sanera steht am Stadtrand ein altes Herrenhaus, verlassen, verfallen und der Legende nach verflucht. Als ausgerechnet ein Influencer und seine Freundin bei einem viralen Grusel-Dreh dort ums Leben kommen, brodelt die Gerüchteküche wieder hoch. Vier befreundete Jugendliche, Cam, Jonesy, Amber und Buffy, beschließen, der Sache auf den Grund zu gehen. Sie recherchieren, sammeln Hinweise und wagen sich schließlich selbst ins Haus. Und dort fällt der Satz, der dem Buch seinen Titel gibt und bei jedem Horrorfan sofort Alarm auslöst: "Lasst uns aufteilen."Am stärksten überzeugt hat mich, wie viel Genre-Liebe in diesem Buch steckt. Bill Wood versteht die Neunziger-Teen-Horror-Ära von innen heraus. "Scream", "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast", R. L. Stine, all das schwingt mit, ohne dass jemals kopiert wirkt. Er zitiert das Genre, ohne es abzuschreiben, und legt eine schöne Meta-Ebene darüber. Seine Figuren wissen selbst, dass sich Aufteilen im Horror die dümmste aller Ideen ist, tun es aber trotzdem, weil die Umstände es verlangen. Genau diese Selbstbewusstheit macht das Buch so unterhaltsam. Man liest mit einem inneren Grinsen, weil Autor und Publikum ein gemeinsames Insider-Wissen teilen.Auch die filmische Erzählweise merkt man dem Buch positiv an. Bill Wood hat Film und Drehbuchschreiben studiert, und das spürt man in jeder Szene. Die verfallenen Räume, die knarrenden Böden, die unheimliche Stille, das Setting steht sofort visuell vor einem. Die kurzen Kapitel, die wechselnden Ich-Perspektiven aus Cams, Jonesys und Ambers Sicht und die geschickt gestreuten falschen Fährten sorgen für richtig gutes Pageturner-Tempo.Das emotionale Herz des Buches ist für mich aber die Freundschaft der vier. Die Found-Family-Dynamik funktioniert wirklich, weil Bill Wood sich Zeit für seine Figuren nimmt. Die Dialoge klingen echt, die Neckereien und der Zusammenhalt sind glaubwürdig, und alle vier haben klare, unterscheidbare Persönlichkeiten. Nebenbei webt der Autor unaufdringlich Themen wie erste Liebe, familiäre Probleme und eine leise Kritik an der Clout-Kultur ein. Der tote Influencer, der für virale Grusel-Videos alles riskiert, ist ein schön gesetzter Brückenschlag zwischen klassischem Teen-Horror und Social-Media-Gegenwart.Ganz ehrlich muss ich sagen, dass mich der Showdown etwas enttäuscht hat. Nach dem sorgfältigen Spannungsaufbau kommt die Auflösung überraschend schnell und wirkt fast zu glatt abgehandelt. Wer viele Horror- und Thriller-Werke kennt, wird das Ende zudem einen Tick zu früh kommen sehen, und die Spannungstiefe erreicht nie ganz die nervenzerreißende Intensität, die der Untertitel verspricht. Es ist eher angenehmer Grusel als echter Nervenkitzel. Ein paar Figuren hätten außerdem noch mehr Substanz vertragen. Das sind für mich klassische Debüt-Kanten, aber sie sind da.Trotzdem ein wirklich unterhaltsamer Auftakt für alle, die Grusel mit Herz mögen. Für Neunziger-Teen-Horror-Nostalgiker:innen, Found-Family-Fans und alle, die intelligente Genre-Hommagen lieben, eine klare Empfehlung. Ich freue mich schon auf Band 2.