Es ist kein leichtes Buch. Aber ein notwendiges. Ein stilles, eindringliches und wichtiges Werk, das lange nachhallt.
Manchmal legt man ein Buch zur Seite und braucht erst einmal Stille. Genau so ging es mir nach dieser Geschichte.Maja ist neun Jahre alt. Neun - ein Alter, in dem das Leben eigentlich nach Schulhof, Lachen und kleinen Sorgen schmecken sollte. Stattdessen lebt sie bei ihren Großeltern. Ihre Mutter ist tot, ermordet vom eigenen Ehemann - von Majas Vater. Ein Satz, der schon beim Lesen schwer auf der Brust liegt.Dieser Roman erzählt nicht vom Verbrechen selbst. Er erzählt vom Danach. Vom leisen Weiteratmen. Vom Funktionieren, obwohl nichts mehr funktioniert. Von Gedanken, die kreisen, von Schuldfragen, die sich einschleichen, von Sätzen wie: "Hätte ich doch noch genauer nachgefragt."Majas Perspektive geht unter die Haut. Ihre Gedanken sind roh, ehrlich und oft kaum auszuhalten - gerade weil sie so glaubwürdig sind. Auch die Großeltern und Patentante Liv tragen ihre Trauer auf ganz eigene Weise. Man spürt ihre Hilflosigkeit, ihre Liebe, ihr Bemühen, Halt zu geben, während sie selbst den Boden unter den Füßen verloren haben.In einer Zeit, in der man immer häufiger von Femiziden liest, setzt dieser Roman genau dort an, wo Schlagzeilen enden. Er gibt den Hinterbliebenen eine Stimme. Er fragt: Wie lebt man weiter? Wie fühlt sich Alltag an, wenn alles zerbrochen ist? Und was bleibt von einem Menschen, wenn er gewaltsam aus dem Leben gerissen wurde?Es ist kein leichtes Buch. Aber ein notwendiges. Ein stilles, eindringliches und wichtiges Werk, das lange nachhallt.Für mich ganz sicher nicht der letzte Roman von Jasmin Schreiber.