Ruhig erzählte Dystopie über Erinnerung und Akzeptanz: sprachlich stark, beklemmend, aber zu lang
Erzählt wird aus der Perspektive von Kathy die Geschichte von Ruth, Tommy und ihr selbst. Im Zentrum stehen scheinbar banale Erinnerungen aus einer dystopischen Welt, die jedoch als völlig normal geschildert wird. Gerade dadurch entsteht ein Unbehagen, das sich langsam und beinahe unmerklich steigert.Der Roman ist zweifellos sehr gut geschrieben - Ishiguros ruhige, klare Sprache habe ich ausgesprochen gern gelesen. Gleichzeitig habe ich mich während der Lektüre immer wieder gefragt, warum er mir diese Geschichte erzählt. Geht es vor allem darum, beim Leser ein zunehmendes Gefühl der Beklemmung aufzubauen? Das gelingt ihm ohne Zweifel.Obwohl der Stoff starke ethische Fragen nahelegt, werden diese nur am Rand berührt und kaum vertieft. Für einen Roman, der vor allem auf Atmosphäre und unterschwelliges Unbehagen setzt, empfand ich die Länge stellenweise als zu ausgedehnt.Ein stilles, klug geschriebenes Buch - beeindruckend aber kein Buch, das man unbedingt gelesen haben muss.