Ein so wichtiges, lehrreiches Jugendbuch, das alle Altersklassen lesen können
Queere Repräsentation ist so wichtig und ich bin sehr froh, dass auch Geschichten mit nicht-binären Hauptfiguren im Buchmarkt angekommen sind. Dieses Buch wird ganz vielen Jugendlichen helfen, zu sich selbst zu finden und mit sich selbst zufrieden zu sein, da bin ich ganz sicher.In diesem Buch gibt es gleich zwei nicht-binäre Figuren und so bekommt man neben Bens Geschichte auch am Rande die Geschichte von Mariam mit. Bens Geschichte kann sehr erdrückend sein und es bringt etwas Hoffnung und Leichtigkeit, dass im Kontrast dazu auch Mariams Situation immer wieder mal angeschnitten wird, die deutlich fröhlicher ist und zusätzlich natürlich noch mehr Repräsentation bietet. Obwohl man über Bens Bezugsperson hauptsächlich über Textnachrichten etwas erfährt, bekommt Mariam Tiefe und eine eigene Hintergrundgeschichte und bereichert nicht nur Bens Leben sondern auch dieses Buch.Bens Geschichte ist ungeschönt ehrlich, rau und emotional. Es ist kein Geheimnis, dass queeres Leben, gerade nicht-binäres Leben, in der Gesellschaft oft auf Ablehnung, Unverständnis und Hass trifft und es macht nur Sinn, das in diesem Buch zu beleuchten.Ich bin mir sicher, dass sich viele nicht-binäre Jugendliche mit Ben identifizieren können. Mit der Angst, mit dem vielleicht schon erlebten Trauma, das alles nur noch schlimmer macht, mit dem Gefühl, allein zu sein, eine Last. Das sind dunkle Gedanken und es tut weh, das zu verfolgen, das Buch ist definitiv keine leichte Kost.Bens Eltern sind das perfekte Beispiel für Ignoranz und den fehlenden Willen, wirklich zu lernen und offen zu sein. Gerade dieser familiäre Aspekt geht besonders nah und doch ist er leider so verbreitet.Umso schöner ist der Kontrast, den Bens Schwester darstellt. Eine Person, die wirklich ihr Bestes gibt und der Fehler wirklich leid tun und diese als Anlass nimmt, um weiter zu lernen.Besonders positiv finde ich, wie sensibel dieses Buch geschrieben ist. Es ist informativ, nie anklagend sondern sachlich und ist sehr fokussiert auf mentale Gesundheit und Therapie und gerade während der Therapiesitzungen merkt man, dass Deaver dieses Buch nicht leichtfertig geschrieben hat und recherchiert hat oder aus eigener Erfahrung schreibt. Man merkt den persönlichen Bezug und die persönliche Leidenschaft. Und dann ist da noch Nathan. Eine so tolle, leuchtende Figur. Das gilt für die ganze Freundesgruppe an Bens neuer Schule und auch Bens Kunstlehrerin, aber Nathan setzt einfach noch einen drauf. Es ist so schön zu verfolgen, wie sie sich anfreunden. Nathans Neckereien, die Ben verlegen machen, zaubern einem einfach ein Lächeln aufs Gesicht. Der perfekte Ausgleich zu der sonst so ernsten Geschichte. Der komplette Verlauf ihrer Beziehung fühlt sich natürlich an, nicht erzwungen oder überstürzt und besonders gut finde ich, dass Nathan nicht als strahlender Ritter dargestellt wird, der Ben von allen Sorgen und Ängsten befreit. Ben heilt nicht von heute auf morgen. Nach all der Schwere in diesem Buch hätte ich mir am Ende noch etwas mehr Fröhlichkeit und Losgelöstheit gewünscht anstatt die wenigen Seiten des Epilogs, gerade weil man es Ben so gewünscht hat und weil queere Hauptfiguren oft viel leiden müssen. Aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt.