Eigentlich wollte ich nach dem ersten Band rund um James und Jude nicht noch einmal nach Lower Wilby zurückkehren. Doch die Geschichte von Eleanor klang für mich einfach zu interessant und so habe ich mich an mein zweites Hörbuch von Kyra Groh gewagt.
Und tatsächlich: Dieser Band hat mir deutlich besser gefallen als der erste!
Lower Wilby ist weiterhin ziemlich versnobt, eingefahren und voller Menschen, die scheinbar genau wissen, wie das Leben der anderen auszusehen hat. Eleanor ist dabei die liebe, nette und vorhersehbare Lieblingsperson der Stadt jeder kennt sie, jeder mag sie. Und dann ist da Dex, der Bruder von James. Na ja, eigentlich sein Halbbruder.
Dex ist das komplette Gegenteil von Eleanor. Er wirkt heruntergekommen, ungepflegt und ziemlich verloren. Er hat eine Vergangenheit mit Drogen und Alkohol, hatte unzählige Frauen und hat seit Jahren nicht mehr in seinem eigenen Bett geschlafen. Ehrlich gesagt weiß ich bis zum Ende nicht so ganz, was Eleanor an ihm gefunden hat.
Natürlich spielt dabei eine große Rolle, dass Eleanor ihn bereits als Jugendliche gesehen und sich damals ein Bild von ihm gemacht hat. Für sie war er lange Zeit eher eine Fantasie als ein echter Mensch. Jetzt lernt sie den tatsächlichen Dex kennen mit all seinen Macken und Problemen.
Und obwohl ich anfangs wirklich Schwierigkeiten mit ihm hatte, mochte ich ihn im Laufe der Geschichte immer mehr. Was mir allerdings bis zum Schluss im Kopf geblieben ist, war seine anfängliche Beschreibung: dreckige Kleidung, ungewaschene Haare und generell ein ziemlich schmuddeliger Eindruck. Ich fand das tatsächlich etwas eklig und konnte dieses erste Bild von ihm nicht mehr vollständig aus meinem Kopf bekommen. Im Laufe der Geschichte bessert sich das natürlich, aber vergessen habe ich es trotzdem nicht.
Abgesehen davon hat mir die Geschichte wirklich gut gefallen. Besonders schön fand ich, dass es nicht ausschließlich um die Liebesgeschichte ging, sondern auch viel um Selbstfindung und Selbstverwirklichung. Eleanor wirkt sehr echt und greifbar, und gerade mit ihren Unsicherheiten konnte ich mich an vielen Stellen gut identifizieren.
Kyra Grohs Schreibstil ist einfach, jung und dynamisch. Die Geschichte lässt sich angenehm lesen beziehungsweise hören und fühlt sich nicht unnötig schwer an. Der Spannungsbogen ist für eine Liebesgeschichte ziemlich typisch: Lange passiert alles eher ruhig, bevor irgendwann der große Knall kommt.
Auch die Sprecher des Hörbuchs haben mir sehr gut gefallen. Die Gefühle wurden glaubwürdig vermittelt und auch das gesamte Drumherum hat für mich gut funktioniert. Ich habe die Geschwindigkeit allerdings wieder etwas höher gestellt, weil mir persönlich langsames Sprechen einfach zu gemächlich ist. Mein Kopf arbeitet schneller und dadurch verliere ich bei einem zu langsamen Tempo schnell die Geduld.
Insgesamt hat mich dieser zweite Band aber deutlich mehr überzeugt als der erste. Ich bin jetzt sogar am Überlegen, ob ich Band 3 ebenfalls lesen beziehungsweise hören werde. Mal sehen, ob ich tatsächlich noch einmal nach Lower Wilby zurückkehre.