Empfehlenswert für Leser, die an der römischen Geschichte sehr detailliert interessiert sind
Der Roman ist der erste Band einer Trilogie über Marcus Tullius Cicero (106 v. Chr. - 43 v. Chr.), einen der berühmtesten Männer des alten Rom, der (lt. Wikipedia) Anwalt, Schriftsteller, Philosoph und Politiker war und als Konsul und Oberster Magistrat wirkte. Das Original erschien im Jahr 2006 unter demselben Titel.Die Geschichte beginnt reichlich verwirrend mit der Enteignung und Verurteilung eines Kunstsammlers durch den korrupten Statthalter von Sizilien. Die damaligen rechtlichen Hintergründe werden aus meiner Sicht dabei nicht ausreichend erläutert, so dass der Leser die Abläufe einfach hinnehmen muss, obwohl sie nach heutiger Rechtsauffassung völlig unlogisch und rechtsmissbräuchlich sind. Deutlich verständlicher beschreibt der Autor dann den Grund einer zweiten Anklageerhebung vor dem Gerichtshof für Erpressungen, indem er darauf hinweist, dass nach damaligen Recht der Ankläger vom Gericht bestimmt wird, sollten mehrere Parteien Anklage erheben wollen (Heyne Tb, 5. Aufl. 11/2015, S. 135).Erst mit der Zeit erhellen sich auch die anfangs unklaren geltenden Rechtsverhältnisse der damaligen Zeit, die Aufgaben, die den Inhabern der jeweiligen Ämter obliegen und die unglaubliche Macht, über die einzelne Personen verfügten. Die Intrigen der Politiker unter- und gegeneinander sind vermutlich realistisch beschrieben, aber man glaubt es trotzdem kaum, wie korrupt und hinterhältig es zuging. Es hat ja aber einen Grund gegeben, warum die Republik starb. Ein Satz ist mir aufgefallen, weil er mich an Phrasen heutiger Politiker erinnert hat: "Sacerdos war einer jener irritierenden Kandidaten, die "keine persönlichen Ziele verfolgten", wie sie gern sagten, sondern denen es ausschließlich um "Sachfragen" ging." (ebd., S. 405)Was ein echtes Manko des Werkes ist, zumindest meiner Ausgabe (Heyne Tb, 5. Aufl. 11/2015), ist das fehlende Glossar mit den Hauptpersonen, die zudem im Roman meistens auch nicht mit vollständigem Namen benannt werden, was es teilweise sehr mühsam macht, die richtige Person zu finden, wenn man etwas über sie recherchieren und etwas mehr über sie erfahren will. Angesichts des Bemühens des Autors um historische Richtigkeit ist dieses Fehlen aus meiner Sicht auch nicht verständlich, denn recherchiert mussten die Daten zweifelsohne werden.Sehr lobenswert empfand ich, dass Cicero sich sehr an der historischen Realität, soweit diese nach so langer Zeit bekannt ist, orientiert hat. Man findet viele Ereignisse und Begebenheiten genauso in der Wikipedia oder anderen Quellen, wenn man erst einmal die richtige Person gefunden hat. Die Erzählweise ist sehr detailreich. So erklärt sich auch, dass es drei Bände braucht um Ciceros Leben zu erzählen. In diesem ersten Band geht es auf 475 Seiten lediglich um die 15 Jahre von 79 v. Chr.- 64 v. Chr..Insgesamt ein interessanter Roman mit einigen Schwächen, aber für geschichtsinteressierte Leser, und wahrscheinlich auch nur für die, ein lohnendes und empfehlenswertes Buch. Drei Sterne.