Sizilien und Venedig, organisiertes Verbrechen und verkrustete polizeiliche Strukturen bilden das Spannungsfeld eines vielseitigen Krimis
Es beginn gemächlich - mit einem beherzten Eintauchen in die Lagunenstadt Venedig. Und zwar im wörtlichen Sinne. Denn der erste (eher unfreiwillige) Einsatz des zum eigenen Schutz nach Venedig versetzte Commissario Antonio Morello gilt einem Dieb, dessen Habhaftwerdung ihn in Kontakt mit dem nicht ganz sauberen Gewässer "der schönsten Stadt der Welt" und in der Folge mit mafiösen Machenschaften bringt. Trüb sind sie beide ...Doch zunächst gilt es, seine künftigen Kolleginnen und Kollegen davon zu überzeugen, dass hinter dem "freien Hund" ein standfester, den Idealen der Polizeiarbeit verpflichteter aufrechter Typ steht, der selbst vor den Machenschaften der Mafia nicht einknickt. In einigen Rückblicken erfahren wir nicht nur, wieso er unter dem Radar der sizilianischen Cosa Nostra steht und demzufolge sein Leben in akuter Gefahr ist, sondern auch, dass seine bisherige Arbeit tragische Folgen für seine werdende Familie hatte ...Sizilien und Venedig, organisiertes Verbrechen und verkrustete polizeiliche Strukturen bilden das Spannungsfeld, in dem dieser Krimi aufgespannt ist und seinen besonderen Reiz entfaltet. Neben den Ermittlungen in einem Mordfall, deren Augenmerk zunächst auf die die Menschen entzweienden Folgen von anlandenden Kreuzfahrtschiffen gerichtet ist (Arbeitsplätze gegen Umweltverschmutzung: "Es ist, als habe sich ein New Yorker Wolkenkratzer nach Venedig verirrt. 315 Meter lang, 43 Meter breit und 70 Meter hoch, 171598 Tonnen.") erfahren wir so einiges über Struktur und Bauwerke der Lagunenstadt (aber auch Sizilien), über die italienische Einigungsbewegung und die in dessen Windschatten entstehende und sich entwickelnde Mafia. Die Informationen stehen dabei nicht losgelöst von den Handlungen, sie sind vielmehr eingewoben in eine Krimihandlung, deren Fäden auch in reale politische Bereiche hineinreichen und so manche "italienische Besonderheit" verstehbarer machen. Diese Verknüpfung von Fiktion und Realität kennt man schon aus den beachtenswerten Dengler-Krimis von Wolfgang Schorlau. Und sie bilden auch hier einen interessanten Kontrast zu den "handelsüblichen" Krimis und machen dieses Buch umso lesenswerter.Man kann nur hoffen, dass diesem gemeinsamen Erstlingswerk weitere Episoden folgen werden, damit die Sehn-sucht nach spannender, erholsamer und zugleich informierender Kriminalliteratur nicht zu Entzugserscheinungen führt. (11.3.2020)