Absolut gefühlvoll und melancholisch - wunderschön!
Ocean Vuong nimmt uns mit in die Welt vietnamesischer Einwanderer in den USA. So erfahren wir, warum eine Großmutter ihren Enkel (den Ich-Erzähler) "Little Dog" nennt. Weil böse Geister einen Bogen um ein Haus machen, in dem Kinder hässliche Namen haben! Magie ist in diesem Buch nie weit entfernt, und so manche US-Errungenschaften werden von den Einwanderern nur schwer akzeptiert. Neben dieser kulturellen Unterschiede, erfahren wir aber auch von einer Kindheit in tiefer Armut und von einem Jugendlichen, der seine Homosexualität entdeckt, die so gar nicht in sein Milieu passt. Generell ist Liebe und Gewalt immer nah beieinander: die Mutter schlägt ihren Sohn, obwohl da auch Liebe ist. Und auch zwischen dem Ich-Erzähler und seinem Liebhaber Trevor ist trotz aller Zuneigung Gewalt nie fern. Trotzdem hält der Roman an den grandiosen Augenblicken fest, die in der Liebe stecken und in der Schönheit der Welt. Es ist ein trotziges Festhalten, denn eigentlich könnte man auch verzweifeln. Und das ist das Wunderbare an diesem Roman, der von einem Lyriker geschrieben wurde, dass er in den vielen bildstarken Sätzen und ungewöhnlichen Wendungen das Schöne zeigt. Ein ermutigendes Buch, auch in dunklen Zeiten. Im Titel "On Earth We're Briefly Gorgeous" - oder in der passenden deutschen Übersetzung "Auf Erden sind wir kurz grandios" - kommt die Essenz des Lebens auf den Punkt, wie sie nur geniale Jugendliche erfahren können. Absolut lesenswert! Ein Meisterwerk!