Schwermütig, aber doch tapfer, ermutigend, aber realistisch. Liz Moore zeigt die Unterschiede in der amerikanischen Gesellschaft.
Ich habe zu diesem Buch gegriffen, weil ich "Der Gott des Waldes" von Liz Moore sehr mochte und unheimlich spannend fand. "Long Bright River" hat jedoch einen ganz anderen Vibe. Von der ersten Seite an liegt eine bedrückte, schwere Stimmung über dem Roman, geprägt von Themen wie Drogenmissbrauch, Prostitution, Polizeikorruption und dem Leben auf der Straße.Im Zentrum steht die Polizistin Mickey, alleinerziehend, ständig im Spagat zwischen ihrem Beruf und der Verantwortung für ihren kleinen Sohn. Diese private Ebene nimmt im Roman genauso viel Raum ein wie die Suche nach einem Mörder, der gezielt Frauen aus dem Drogenmilieu tötet. Beides ist hart, beides fordert Mickey auf unterschiedliche Weise heraus. In Rückblenden erfahren wir viel über ihre Kindheit und über das schwierige Verhältnis zu ihrer vermissten Schwester, über Nähe und Distanz, Gemeinsamkeiten und grundlegende Unterschiede.Für mich waren die Passagen rund um Mickeys Privatleben deutlich spannender als die eigentliche Auflösung des Falls, denn die Darstellung der Gesellschaftsstrukturen und Schichten in einer Stadt wie Philadelphia sind unglaublich gut gelungen. Liz Moore zeigt eindringlich, wie stark Herkunft, Wohnort und Elternhaus darüber entscheiden, welcher Lebensweg einem offensteht. Mir wurde vor Augen geführt, wie ausschlaggebend es in einer Stadt wie Philadelphia ist, wo man aufwächst, ob man einen behüteten Kindergarten besucht oder auf den Straßen von Kensington landet. Der Roman thematisiert auch, wie schwer es ist, als Mutter keine Zeit für das eigene Kind zu haben, während andere immer präsent sein können, und wie komplex und oft trügerisch der Blick auf suchtkranke Menschen ist.Long Bright River ist keine leichte Kost. Ich möchte das Buch nicht missen, bin aber ehrlich. "Der Gott des Waldes", der später erschienen, hat mir deutlich besser gefallen.