Die Geschichte hat mich absorbiert: spannendes Fantasy-Mystery & unglaublich detailiertes Worldbuilding!
Honora ist eine unregistrierte Vampirin und sucht seit Jahrzehnten den Mörder ihres Geliebten. Gabhán ist ein Werwolf, der eine junge Wölfin davon abhalten will, sich dem brutalen Rudel der Westküste anzuschließen. Und Dan ist ein Mensch mit magischen Kräften, der als Wachender, als Wache über die Übernatürlichen und somit als Brücke zwischen ihnen und der menschlichen Gesellschaft eingesetzt ist. Auf einem Festival bei San Francisco treffen die drei aufeinander und geraten in ein Ritual, das ihre Seelen aneinanderbindet.Am allermeisten hat mich das Worldbuilding gepackt. Wie natürlich die unterschiedlichsten Fabelwesen und übernatürlichen Kreaturen in den normalen Alltag eingewoben sind. Und irgendwie auch nicht.Denn sie sind eine eigene Subgruppe. Übernatürliche können sich registrieren lassen und haben damit auf dem Papier die gleichen Rechte wie Menschen. Gleichzeitig werden sie fetischisiert und bedroht, sie begegnen Vorurteilen, und sie haben sehr berechtigte Gründe, sich eben nicht registrieren zu lassen. Das Buch nimmt sich die Zeit, diese Gründe auch auszubuchstabieren, statt sie nur zu behaupten.Dazu kommt das Setting. San Francisco ist so unfassbar detailliert und gut recherchiert, dass man sich beim Lesen heimisch fühlt. Ich kenne genug deutschsprachige Bücher, bei denen man nur daran merkt, dass sie in den USA spielen, dass die Figuren "Mom" und "Dad" sagen. Hier ist das anders.Erzählt wird aus drei Perspektiven. Dan zeigt als Wachender das Behördensystem und das ganze rechtliche Gerüst von innen, Honora die Seite der Unregistrierten, Gabhán die eines registrierten Werwolfs. Ihre übernatürlichen Identitäten sind dabei nicht nur reine Kosmetik, sondern detailliert ausgearbeitet und tragen die Handlung. Stichwort Verwandlung. Und selbst Dan, der Mensch in dieser Konstellation, hat seine eigene Geschichte mit Magie.Die Repräsentation läuft nebenbei. Die Figuren haben nicht bloß unterschiedliche Hautfarben, sondern unterschiedliche Geschichten, Herkünfte und Erfahrungen, die mit der eigenen Identität verwoben sind. Als weiße Person hat mein Urteil da Grenzen, aber ich kann sehr schätzen, wie selbstverständlich das gemacht ist.Für die queeren Identitäten gilt dasselbe. Keine toxischen Stereotype, keine Figur, die nur eine Kategorie abdecken muss. Besonders gut finde ich, wie das Buch die Polybeziehung aufbaut. Consent wird trotz des Bandes verhandelt und nicht wegerzählt. Mit intimen Details geht der Roman sehr erwachsen um. Die Konstellation wirkt an keiner Stelle wie ein Gimmick.Das zugrundeliegende Geschehen ist richtig gut umgesetzt. Man setzt immer mehr und immer verstörendere Puzzleteile zusammen. Ohne zu viel zu spoilern: Der Werwolfring beziehungsweise das Rudel um den Antagonisten Ryder Mallroy macht ihn zu einem der gefährlichsten Bösewichte, der mir seit Langem untergekommen ist. Eine echte Bedrohung, mit echten Konsequenzen und mit Fäden in der Hand, die bis zu den Hauptfiguren reichen. Mafia-Vibes, ohne Mafia-Klischee.Die Sprache ist mir an manchen Stellen zu flach geschrieben, und es werden sehr viele Ausrufezeichen gesetzt, in Gedanken wie in Dialogszenen, in denen sie meiner Meinung nach nichts zu suchen haben. Ich bin ohnehin kein Fan davon, und mir hat das den Einstieg erschwert. Einen Sterneabzug oder Ähnliches ist es für mich trotzdem nicht wert. Denn Handlung, Figuren und Mysterium tragen die Geschichte locker, und ich bin bis zum Ende nicht mehr rausgekommen.