Eine Leseempfehlung!
Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt soll sich, auf Bitte ihres alten Freundes Père Joseph, im Kloster Sainte-Agathe-Lys, in dessen Nähe eine Marienerscheinung stattgefunden haben soll, ein Bild über die Glaubwürdigkeit machen. Es besteht der leise Verdacht, dass die Erscheinung inszeniert sein könnte, denn das Kloster und seine Liegenschaften sollen in ein Luxus-Golf-Ressort verwandelt werden, um Geld in die leeren Kassen der Gemeinde zu spülen. Dazu müssten die Benediktinerinnen natürlich abgesiedelt werden. Obwohl Mathilde mit Religion recht wenig am Hut hat, reizt sie diese Bitte und checkt im Kloster ein. Kurz zuvor ist beim Abriss eines Schuppen auf dem Klostergelände ein weibliches Skelett ausgegraben worden. Recht schnell wird im Dorf der Verdacht laut, dass es sich um Julie, einem Mädchen aus dem Ort handeln, das vor rund zwanzig Jahren verschwunden ist. Das wäre dann schon das zweite tote Mädchen. Obwohl örtlich nicht zuständig, übernimmt Mathilde die Ermittlungen ohne ihre gewohntes Team mit ihrem Lebensgefährten Rachid, Commandant der Police judiciaire in Nîmes. Rachid hat nämlich einen vermeintlichen Suizid der Journalistin Yvette Vaudemont aufzuklären. Gleichzeitig untersucht eine vatikanische Kommission, von der ein Mitglied aus der Umgebung des Klosters stammt, die Marienerscheinung. Als Mathilde entdeckt, dass die Journalistin sowohl zu der Marienerscheinung als auch zu den beiden Skeletten recherchiert hat, zählt sie eins und eins zusammen. Dann gelingt es Coco aus Rachids Team eine Reihe von Cold Cases in der Region aufzuspüren. Sind sie einem Serientäter auf der Spur? Während im Dorf die Meinung vorherrscht, der Täter müsse von außerhalb kommen, ist Mathilde überzeugt, es mit einem Dorfbewohner zu tun zu haben. Sie vermutet, dass die Journalistin dem Mörder zu nahe gekommen ist und deshalb sterben musste. Meine Meinung: Dieser 9. Fall ist komplex und fesselt bis zur letzten Seite. Liliane Fontaine zieht in diesem vielschichtigen Krimi alle Register. Ermittlungen in einem Kloster sind immer wieder spannend. Besonders, wenn es darum geht, seine Existenz zu sichern. Da könnte man meinen, dass gewitzte Klosterschwestern, die eine oder andere Inszenierung wie eine Marienerscheinung bewerkstelligen. Doch hier scheint es um eine tatsächliche Wahrnehmung zu gehen, die von drei Kinder und einer blinden Nonne gesehen worden sein soll. Bei solchen Erscheinungen sind immer wieder Zweifel angebracht. Auch der Vatikan erklärt solche Phänomene nicht leichtfertig zu Wundern, rufen die doch häufig dubiose Geschäftemacher auf den Plan. So kommt die eingesetzte Kommission auch hier zu keinem eindeutigen Ergebnis, sondern stuft es vorerst als "Prae oculis habeatur" (also als eine zu beobachtende Wahrnehmung) ein. Diesmal dreht sich fast alles um die Ermittlungen, die sowohl im Kloster als auch in Nîmes alle Kräfte beschäftigen. Daher wird dem Familienleben von Mathilde de Boncourt weniger Augenmerk als üblich geschenkt. Dieser Krimi lässt sich, obwohl schon der 9. dieser Reihe problemlos ohne Kenntnis der acht Vorgänger lesen. Trotzdem empfiehlt es sich die Serie beim ersten Band (Die Richterin und die Tote vom Pont du Gard) zu beginnen. Ich freue mich auf den 10. Fall mit dem Titel "Die Richterin und der tote Maler", der im Frühling 2027 erscheinen soll. Fazit:Gerne gebe ich diesem vielschichtigen Krimi, der uns nicht nur Einblicke in das Klosterleben, sondern auch spannende Lesestunden gewährt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.