Lotta reicht's. Seit sie einen ungewollten Heiratsantrag ablehnen musste, fühlt sie sich ziemlich durch. Aber wohin? Am besten dort, wo sie sich schon als Kind in den Ferien wohl gefühlt hat. In Geelekow an der Ostseeküste. Im gemütlichen Ferienhaus, wo sie sich sicher und geborgen fühlt. Tja, da hat Lotta die Rechnung ohne den Faktor "Veränderung" gemacht. Angekommen in diesem beschaulichen Örtchen ähnelt nicht nur das Haus in so gut wie keiner Weise der Unterkunft in ihrer Erinnerung. Auch die Einwohner benehmen sich sehr verschlossen ihr gegenüber. Doch mit der Zeit lernt Lotta den einen oder anderen Sonderling kennen. Allerdings wird sie das Gefühl nicht los, dass sie hier nicht willkommen ist. Und als sich dann Merkwürdigkeiten in und um ihr Haus herum häufen, wird Lotta bald klar, dass mehr dahinterstecken muss. Und wie so oft wird man in der Vergangenheit fündig.
Wieso heißt dieser Roman "Das Krähenzimmer"? Keine Ahnung. Das könnte genauso gut "Das Spatzenzimmer", "Das Möwenzimmer" oder "Das Bienchenzimmer" heißen. Aber mit Krähen versucht Carolin Frey wahrscheinlich schon zu Anfang eine unheimliche Stimmung zu kreieren. Und Atmosphäre, das kann das Buch. Man liest die ersten Kapitel und hat das Gefühl, dass schon viel mehr passiert ist, als es wirklich ist. Dankenswerterweise der Atmosphäre geschuldet. Aber das war's halt dann auch schon. Sobald sie sich in Geelekow häuslich eingerichtet hat, beginnt der passendere Titel: "Das Langeweilehaus". Ja, hier knarzt es mal, hier kracht es mal, da gibt's ein paar Stimmen, ui und nicht zu vergessen, ein Transporter folgt Lotta und gibt Gas, wenn sie ihn sieht..........sorry, bin schon wieder leicht weggenickt, als ich mich daran erinnert habe. Das ist hier eine Klischeesammlung at his Best. Thema "Sauna". Lotta denkt, dass jemand in ihrem Haus war und ihr nach dem Leben trachtet. Heidewitzka, Herr Kapitän, also da geh ich doch gleich mal in die hauseigene Sauna. Oder leck jedes Messer ab, whatever. Ratet mal, was passiert. Genau. Und dann der Showdown. An den Haaren herbeigezogen ist noch völlig untertrieben. Ich mag's ja grundsätzlich nicht, wenn so völlig absurde Zufälle nicht erklärt werden. Ist hier genauso. Und das Motiv, absolut austauschbar. Hat nichts, aber auch wirklich gar nichts mit der Geschichte zu tun. Das hätte auch was völlig Anderes sein können und hätte ebenso gut funktioniert....oder wie hier ebenso gut nicht.
"Fünf Fremde" von Romy Fölck war genauso schnarchig, Linda Schipps "Guilty Pleasure" war ein einziger LSD-Trip. Also wenn die beiden sich zusammentun würden, dann käm ein richtig guter Thriller raus. Der diesen Namen auch verdient hat. Frau Frey überlassen wir lieber das Coverdesign, das Highlight dieses Buches. So war's leider wieder verschwendete Leseszeit und die Erkenntnis, dass es einen Grund hat, warum die wirklich erfolgreichen deutschen Thrillerautoren Fitzek, Poznanski und Strobel heißen. Die können's halt. Oder ich kehre literarisch meiner Heimat den Rücken, denn den Thriller, den ich danach gelesen habe, "Alles ihre Schuld", war wahnsinnig gut und spannend. Eben alles eine Frage des Talents. Und natürlich des Geschmacks der Leser. Denn was gut ist oder nicht, darüber kann man immer vortrefflich streiten.