Ein spannendes und unvergessliches Abenteuer für all jene, die ein Herz für alte Bücher haben und ein wenig Geduld mitbringen.
Inhalt:Im Nordamerika des 18. Jahrhundert kämpfen Briten und Franzosen um die Vorherrschaft und versuchen die Indianerstämme auf ihre jeweilige Seite zu ziehen. Folglich ist es ein überaus gefährliches Unterfangen als die beiden Schwestern Cora und Alice Munro versuchen die Garnison Fort William Henry zu erreichen, die mehrere Tagesreisen entfernt inmitten eines weitläufigen Waldgebiets liegt. Begleitet werden Cora und Alice von Major Duncan Heyward, dem Prediger David Gamut, zwei Indianern vom Stamme der Mohikaner und dem Waldläufer, Kundschafter und Pfadfinder "Falkenauge". Die Lage gerät schon bald außer Kontrolle als die Gruppe in einen Hinterhalt der Huronen gerät und diese Alice und Cora verschleppen..."Dort kommt ein Nebel, der den Tag zur Nacht machen muss, in der ein Indianerpfeil gefährlicher als eine Kanone wird." [...] "Wir sind bereit", antwortete Cora mutig, "ein solches Ziel vor Augen trotzen wir jeglicher Gefahr!" Der Kundschafter wandte sich mit einem Lächeln aufrichtigen und herzlichen Beifalls zu ihr um und antwortete: "Ich wollte, ich hätte tausend Mann mit sehnigen Armen und scharfen Augen, die den Tod so wenig fürchten, wie Ihr!" (S. 185)Meine Meinung:Da ich den großartigen Film von Michael Mann aus dem 1992 so sehr mag wollte ich unbedingt auch das Buch lesen auf dem der Film beruht. Mir war schon vor dem Lesen klar, dass es gegenüber dem Film einige Abweichungen und Unterschiede geben dürfte, weil das Buch ja immerhin schon ziemlich alt ist (Erscheinungsjahr: 1826). Außerdem habe ich mal irgendwo gelesen, dass Michael Mann, der den Film gedreht hat wohl tatsächlich gar nie das Buch gelesen hat und sich stattdessen an früheren (Film-)Adaptionen des Stoffes orientiert hat.Rückblickend betrachtet war es tatsächlich sogar sehr gut, dass ich vorher schon den Film gesehen hatte. Das hat nämlich dafür gesorgt, dass ich von Beginn an ein Herz für diese Geschichte hatte und wusste, dass es sich lohnen wird dranzubleiben. Ansonsten wäre es mir wahrscheinlich schwerer gefallen in das Buch hineinzufinden. Es ist eines von den Büchern bei denen man am Anfang etwas Geduld mitbringen muss, weil es ein wenig zu ausschweifenden Beschreibungen neigt und es gleichzeitig einige Zeit braucht bis die Handlung richtig Fahrt aufnimmt. Obwohl ich öfters mal ältere Bücher lese musste ich mich erst an den Schreibstil gewöhnen. Die Übersetzung in der ich das Buch gelesen hatte war auch schon etwas älter (1920er-Jahre). Als ich dann aber richtig im Buch drin war hat sich ein spannendes und mitreißendes Abenteuer entfaltet und ich bin froh, dass ich nicht vorschnell aufgegeben habe.Die weitgehend unerschlossenen Wälder Nordamerikas geben einen interessanten Schauplatz ab und werden sehr atmosphärisch beschrieben. Der historische Hintergrund wird gelungen in die Geschichte eingewoben und es wird ein lebendiges Bild von dem Leben der Indianer und den Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Indianerstämmen, Briten und Franzosen entworfen.Es hat mir gefallen, dass die Gruppe, die sich gemeinsam durch die Wälder schlägt und diversen Gefahren trotzen muss aus völlig unterschiedlichen Charakteren zusammengesetzt ist. Da ist zum einen Cora Munro, die eine überraschend tapfere Protagonistin ist. Mehrmals beweist sie in bedrohlichen Situationen viel Mut und Besonnenheit. In einem Buch von 1826 hätte ich nicht mit so einer starken Frauenfigur gerechnet und das hat mich positiv überrascht. Dann gibt es noch Coras Schwester Alice, die das genau Gegenteil von dieser ist. Alice ist sehr zerbrechlich, hilflos und verhält sich überwiegend passiv. Alice zählt zu den Frauen, die schnell in Ohnmacht fallen und die stets einen Retter brauchen, der für sie die Welt wieder in Ordnung bringt. Dieser Retter ist für sie Major Duncan Heyward. Er ist einem im Buch weitaus sympathischer als in der Verfilmung. Duncan ist ein Musterbeispiel an Loyalität, Tapferkeit, Mut, Verlässlichkeit, Ehrgefühl und Anständigkeit. Im Laufe der Geschichte entwickelte er Gefühle für Alice und diese wäre ohne ihn und die anderen wahrlich aufgeschmissen gewesen. Eine weitere wichtige Person ist der Waldläufer und Pfadfinder "Falkenauge". Er ist ein Draufgänger und Überlebenskünstler, der sich sowohl in der Welt der Europäer als auch in der Welt der Indianer auskennt und der die Wälder wie seine Westentasche kennt. Darüber hinaus machen ihn seine außergewöhnlichen Fähigkeiten im Spurenlesen und seine herausragende Treffsicherheit mit dem Gewehr zu einem unverzichtbaren Mitglied der Gruppe. Ein weiteres Mitglied der Gruppe ist der Prediger David Gamut. Er ist anfangs eher der sprichwörtliche "Klotz am Bein" als dass er der Gruppe richtig von Nutzen ist. Er mausert sich dann aber im Laufe der Geschichte, denn als es wirklich darauf ankommt beweist er Mut und die anderen können sich auf ihn verlassen.Eine besondere Erwähnung verdienen zudem selbstverständlich die Mohikaner, die dem Buch ihren Namen geben und die ebenfalls Teil der Gruppe sind, die sich den in den Wäldern lauernden Gefahren stellt. Da ist zum einen der schon etwas ältere Chingachgook und zum anderen der junge Krieger Uncas. Ich finde es toll, dass James Fenimore Cooper mit diesen beiden auch zwei Indianer als Sympathieträger in den Kreis der Hauptpersonen aufgenommen hat. Das ist keineswegs selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass er sein Buch schon 1826 geschrieben hat. Es gibt genügend ältere Bücher und auch deutlich später erschienene Filme in den Indianer klischeehaft ausschließlich als "die bösen Wilden" präsentiert werden. Man schließt Chingachgook und Uncas ins Herz, weil man sie als ehrliche, tapfere und freundliche Menschen kennenlernt, die sich für das Gute einsetzten. Wegen dieser positiven Darstellung finde ich es nicht schlimm, dass es mit Magua noch einen richtig skrupellosen, hinterhältigen und bösartigen Indianer als Antagonisten gibt.Eine besonders spannende, dramatische und bewegende Szene, die mir in Erinnerung bleibt ist die Schilderung eines schrecklichen Blutbads, das es leider wirklich gegeben hat (Stichwort: Massaker bei Fort William Henry, 1757). Aus einer weitgehend friedlich und entspannt wirkenden Situation entwickelte sich innerhalb von Sekunden ein Massaker in dem Hunderte ihr Leben verlieren. Diese Geschehnisse werden in all ihre Dramatik und Grausamkeit sehr eindrücklich und bewegend beschrieben: Überall war der Tod, und zwar in seinen schrecklichsten, abscheulichsten Gestalten. Widerstand dienste nur dazu, die Wut der Mörder noch mehr zu entflammen. Sie führten noch ihre rasenden Streiche, wenn sie ihre Opfer schon lange nicht mehr fühlen konnten. Die Ströme von Blut glichen den Wogen eines Gießbachs, und sein Anblick machte die Eingeborenen so hitzig und wütend, dass manche unter ihnen niederknieten, um unter höllischem Jauchzen die dunkelrote Flut aufzutrinken. (S. 230)In solchen Momenten bemisst kein Mensch die Zeit. Zehn Minuten, für sie ebenso viele Stunden, mochten die Schwestern erstarrt vor Entsetzen und beinahe rettungslos gestanden sein. (S. 231)Den im Buch geschilderten Krieg zwischen Briten und Franzosen hat es wirklich gegeben (Stichwort: Siebenjähriger Krieg). Da beide Kriegsparteien sich jeweils indianische Verbündete suchten war es zudem auch ein Kampf in dem Indianer gegen Indianer gekämpft haben. Es stimmt einem schon nachdenklich wieviel Elend und Tod die Europäer damals nicht nur übereinander, sondern auch über die Indianer gebracht haben.Großen Eindruck hinterlässt zudem die Szene in der Cora große Tapferkeit und Opferbereitschaft beweist indem sie die Männer davon überzeugt sie und Alice zurückzulassen. Cora ist nämlich klar, dass das die beste Überlebenschance für alle darstellt und die Männer stimmen ihr schweren Herzens zu. Diese bewegende Szene ist auch eines der Herzstücke des Films und es hat mich daher sehr gefreut, dass sich diese auch im Buch wiederfindet. Das Ende des Buches ist sehr episch, bewegend und herzzerreißend. Es lässt einem sowohl mit Wehmut als auch mit Hoffnung zurück. Es gibt dabei einige gravierende Abweichungen gegenüber dem Buch, die für mich absolut unerwartet kamen und mich dadurch umso mehr berührt haben (mehr dazu unten im Abschnitt "Vergleich mit dem Film").Warum vergebe ich trotzdem nur 4 statt 5 Bewertungssterne?Das Erzähltempo finde ich stellenweise etwas zu langsam, weil sich der Autor manchmal schon ein wenig in ausschweifenden Beschreibungen verliert. Zudem hätte ich mir an einigen Stellen mehr bzw. tiefere Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten gewünscht. Insbesondere am Anfang der Geschichte fühlte ich deswegen noch eine gewisse Distanz zu den Protagonisten. Das hat sich dann aber im weiteren Verlauf der Geschichte gebessert. Etwas altmodisch wirken die mitunter etwas zu ausführlich geratenen Ausführungen über den Glauben. Das ist aber andererseits auch verständlich, denn bei Erscheinen des Buches und vor allem auch zu der Zeit zu der die Geschichte spielt (Mitte 18. Jahrhundert) hatte Religion eben einen viel höheren Stellenwert und eine weitaus größere Bedeutung im Leben der Menschen als es heute der Fall ist.Vergleich mit der Verfilmung"Der letzte Mohikaner" (1992):Ich finde, dass Michael Mann die Seele des Buches in wunderbarer und großartiger Weise auf die große Leinwand gebracht hat. Die Abweichungen gegenüber der Buchvorlage stören mich überhaupt nicht. Im Gegenteil: Die Abweichungen haben ihren Teil dazu beigetragen, dass es für mich einer der ganz seltenen Fälle ist in denen ich eine Literaturverfilmung sogar noch mitreißender und überzeugender finde als die Buchvorlage.Der Film ist ein Meisterwerk und hat wirklich das Beste aus der Buchvorlage herausgeholt. Es ist toll, dass dieses epische Abenteuer auf diese Weise auch diejenigen Menschen erreicht, die vor älteren Büchern zurückschrecken und die den "letzten Mohikaner" anderenfalls nie kennengelernt hätten. Für die die es genauer wissen wollen hier die gravierendsten Unterschiede zwischen Buch und Film (Achtung Spoiler!):Am Ende des Buches sterben Cora und Uncas, die Gefühle füreinander entwickelt haben. Im Film überlebt Cora hingegen und es gibt stattdessen eine bewegende Liebesgeschichte zwischen ihr und Falkenauge, die das Herzstück des Films bildet. Auch Alice hat im Film ein anderes Schicksal als im Buch: Im Buch überlebt Alice und sie und Duncan verlieben sich ineinander und sehen einer glücklichen Zukunft entgegen. Duncan kommt übrigens im Buch sympathischer weg als im Film. Außerdem ist noch zu erwähnen, dass er Prediger David im Film überhaupt nicht vorkommt.Fazit:Für mich ist es einer der ganz seltenen Fälle in denen mir eine Verfilmung noch besser gefallen hat als die Buchvorlage. Das soll aber keineswegs heißen, dass ich das Buch nicht mochte! Das Buch hat mir gefallen und ich bin froh, dass ich es gelesen habe. Es hätte mir aber noch besser gefallen, wenn es ein paar Ausschweifungen weniger gehabt hätte und einem die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten noch stärker nähergebracht worden wäre.Wer Interesse an dem Buch hat sollte sich vor Augen halten, dass das Buch schon 1826 erschienen ist. Man braucht vor allem am Anfang ein wenig Geduld und ein Herz für alte Bücher, wenn man an diesem Buch seine Freude haben will.