Was für ein temporeicher Start! Man ist von den ersten Seiten an mitten im Geschehen und wird direkt in eine düstere und beklemmende Geschichte hineingezogen.
Im Mittelpunkt stehen zunächst zwei scheinbar völlig unabhängige Handlungsstränge: Die Wiener Anwältin Evelyn Meyers stößt bei ihren Nachforschungen auf eine Reihe mysteriöser Todesfälle, während der Leipziger Kommissar Walter Pulaski den vermeintlichen Selbstmord eines Jugendlichen in einer psychiatrischen Klinik untersucht. Beide Fälle scheinen zunächst nichts miteinander zu tun zu haben, doch nach und nach zeigen sich immer mehr Verbindungen.
Besonders die Geschehnisse in der Vergangenheit sind teilweise wirklich grausam und erschütternd. Zum Glück schildert Gruber diese nicht unnötig detailliert, sodass die Geschichte zwar ihre beklemmende Wirkung entfaltet, aber nicht in kaum Ertragbares abrutscht.
Der Aufbau hat mir sehr gut gefallen. Gruber legt immer wieder neue Fährten und lässt einen lange darüber rätseln, wie die verschiedenen Ereignisse zusammenhängen. Dadurch bleibt die Spannung konstant hoch. Besonders gelungen fand ich, wie die beiden zunächst getrennten Erzählstränge mit der Zeit immer enger miteinander verknüpft werden und am Ende schließlich alles zusammenläuft. Die Auflösung ist geschickt konstruiert und bringt die verschiedenen Puzzleteile überzeugend zusammen.
Auch die beiden Ermittler haben mir richtig gut gefallen. Walter Pulaski und Evelyn Meyers sind nicht einfach nur Figuren, die einen Fall lösen sollen. Durch Einblicke in ihre Vergangenheit und ihr Gefühlsleben bekommen beide eine tolle Tiefe und werden dadurch sehr greifbar und sympathisch. Gerade ihre persönlichen Geschichten machen neugierig darauf, wie es mit ihnen in den folgenden Bänden weitergeht.
Der Schreibstil von Andreas Gruber ist, wie ich es von ihm gewohnt bin, angenehm, flüssig und sehr spannend. Die kurzen Kapitel und die wechselnden Perspektiven sorgen zusätzlich für ordentlich Tempo. Gleichzeitig gelingt es ihm, sowohl eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen als auch immer wieder humorvolle Momente einzubauen.
Fazit: Ein richtig guter Thriller und ein toller Auftakt der Reihe um Walter Pulaski und Evelyn Meyers. Spannend, clever konstruiert, mit interessanten und sympathischen Charakteren und einer gelungenen Auflösung. Für mich eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die spannende Thriller mögen, oder wie ich einfach ein Fan von Andreas Gruber ist.