Ernestine und Anton lassen sich nicht bremsen.
"...Unsere Demokratie ist ein sehr zartes Pflänzchen. Schnell kann es von Militärstiefeln wieder zertrampelt werden. Schau nach Italien..."Wir schreiben das Jahr 1925 in Wien. Anton, einst Apotheker, und Ernestine, pensionierte Lateinlehrerin, unterhalten sich über Politik. Für das kommende Wochenende sie einen Besuch des Böhmischen Praters. Dann wird sie ein völlig anderes Thema beschäftigen.Die Autorin hat erneut einen spannenden historischen Krimi geschrieben. Die Geschichte hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Der Schriftstil sorgt für den hohen Spannungsbogen. Er bringt aber auch das Wiener Flair sehr gut rüber.Im Böhmischen Prater beginnt Minna, Antons Hund, unter einem windschiefen Musikpavillon zu buddeln. Dann legt er Anton einen menschlichen Oberschenkelknochen vor die Füße.Natürlich kann es Ernestine nicht lassen. Sie beginnt Fragen zu stellen. Schnell gibt es eine Vermutung, wer der oder die Tote sein könnte. Eine junge Frau wird seit 1919 vermisst.Sehr anschaulich wird das Leben auf dem Prater mit seiner Gaststätte und den Fahrgestell beschrieben. Das gleiche gilt für die Verhältnisse in der angrenzenden Ziegelei, die der Familie Henkel gehört. Dort sind nicht nur die Arbeitsverhältnisse hart, sondern auch die Wohnbedingungen wenig menschlich.Erich, Kriminalbeamter und Antons Schwiegersohn, ist von den Einmischungen der beiden Pensionäre alles andere als begeistert. Er hat auf seinem Amt schon deshalb einen schweren Stand, weil er Jude ist.Als es auch aktuelle Morde gibt, wird der Fall noch mysteriöser. Unter den Schaustellern kursiert so manche Theorie. Es ist nicht einfach, die Fakten herauszufiltern.Das Buch hat mir sehr gut gefallen.