Märchenhafter Klassiker, mit viel Charme und Phantasie und vielen ruhigen Passagen.
Die Ghibli-Verfilmung des Romans liebe ich wirklich sehr, nun wollte ich endlich mal die Buchvorlage lesen. Und dabei ging mir immer wieder ein Gedanke durch den Kopf: Wie gut hier die Mischung zwischen "cosy" und Spannung funktioniert! Diese Mischung ist meiner Meinung nach nämlich echt schwer herzustellen. Zu viel Gemütlichkeit und es kippt Richtung Langeweile, zu viel Spannung und die Behaglichkeit rutscht weg.Bevor die Kategorie "cosy" im Buchmarkt überhaupt eingeführt wurde - das Buch erschien bereits in den 1980ern - schafft sie mit dem wandelnden Schloss einen wundervollen Ort, der wirklich behaglich ist. Nun, nicht von Anfang an, denn als Sophie, die von der Hexe der Wüste in eine uralte Frau verzaubert wurde, dort ankommt, ist das Haus total verdreckt und die drei Bewohnenden, der Zauberer Howl, sein Lehrling Michael und der Feuerdämon Calcifer begrüßen sie nicht gerade mit offenen Armen. Aber die vier entwickeln sich nach und nach zu einer wirklich zauberhaften Gemeinschaft (found family quasi). Zusätzlich zum Ort und den charmanten Figuren ergeben zahlreiche kleine und große Einfälle das behagliche Gefühl. Die Bedrohung durch die Hexe der Wüste bleibt aber gleichzeitig immer präsent, so dass ich wirklich gespannt wissen wollte, wie es weitergeht, obwohl ich die Grundzüge der Geschichte doch bereits durch die Verfilmung kannte. Interessant fand ich auch, wie Sophie nach und nach ihr Vorurteil ablegen muss, sie hätte als älteste Tochter kein interessantes Leben verdient und wie sie sich an ihr hochbetagtes Alter gewöhnt.Das Hörbuch, ungekürzt gelesen von Chiara Haurand, ist wirklich ein Genuss. Haurand liest die Figuren lebendig und mit feinem Humor.Eigentlich müsste ich hier 5 Sterne vergeben, aber ein paar Wermutstropfen gab es dann doch. Zum Ende ballt sich alles und einige löst sich zu schnell in Wohlgefallen auf. Dabei wurde mir Howls Motivation nicht komplett stimmig erklärt. Dass alle wesentlichen Figuren ein heteronormatives Bilderbuch-Happy-End bekommen, war mir dann doch zu fett. Und auf das Klischee, dass die Frauen unbedingt immer putzen müssen, inklusive Sophie, hätte es auch nicht gebraucht.Ein charmanter Klassiker, den ich wirklich gerne gelesen habe.