Ellin Carsta legt hier den vierzehnten Band ihrer Falkenbach-Saga vor und führt die Geschichte der Familien von Falkenbach und Lehmann in die dramatischen letzten Kriegsjahre des Zweiten Weltkriegs. Die Handlung spielt im Jahr 1944, als die Landung der Alliierten in der Normandie bevorsteht und die Figuren vor existenzielle Entscheidungen gestellt werden.
Besonders gelungen ist die Verknüpfung persönlicher Schicksale mit den historischen Ereignissen. Während Paul-Friedrich von Falkenbach eine gefährliche Rettungsaktion plant, erlebt Gustav an der italienischen Front die Grausamkeit des Krieges. Gleichzeitig riskieren Johannes Lehmann und Wilhelmine von Falkenbach ihr Leben, um jüdischen Familien zur Flucht zu verhelfen. Diese verschiedenen Handlungsstränge sorgen für Spannung und vermitteln eindrucksvoll die moralischen Konflikte jener Zeit.
Ellin Carsta bleibt ihrem bekannten Stil treu: Die Figuren wirken nahbar, die Familienbeziehungen stehen im Mittelpunkt und historische Hintergründe werden anschaulich in die Handlung eingebunden. Besonders die Themen Mut, Widerstand und Menschlichkeit gewinnen angesichts der zunehmenden Gewalt des NS-Regimes an Bedeutung. Die Autorin schafft es, die bedrückende Atmosphäre der Kriegsjahre einzufangen, ohne dabei die Hoffnung ihrer Figuren aus den Augen zu verlieren.
Wer die bisherigen Bände der Falkenbach-Saga kennt, wird die Weiterentwicklung der Charaktere zu schätzen wissen. Neue Leser könnten hingegen etwas Zeit benötigen, um die zahlreichen Beziehungen und Vorgeschichten einzuordnen, weshalb ich immer empfehlen würde, die Serie der Reihe nach zu lesen. Dennoch funktioniert der Roman auch als spannender historischer Familienroman mit emotionaler Tiefe, gerade weil hier neben Handlung auch sehr viele Gedanken der einzelnen Protagonisten mit einfließen, was wohl auch eher derjenige zu schätzen weiß, der die Reihe von Anfang an verfolgt.