Reality-TV trifft Fantasy ¿ und das funktioniert richtig gut
"Chosen - Träume aus Gold" von Emily Bähr hat mich tatsächlich von der ersten Seite an gepackt. Die Geschichte ist spannend, unterhaltsam, überraschend und hat für mich genau die richtige Portion Fantasy, ohne dass es gleich in eine komplett fremde Welt mit unzähligen Regeln und Begriffen abdriftet.Besonders begeistert hat mich Iris. Gefühlt begegnen einem aktuell in jedem zweiten Buch weibliche Hauptfiguren, die unglaublich stark, rebellisch und schlagfertig sind und den Männern um sie herum sowieso immer mindestens einen Schritt voraus. Grundsätzlich ist dagegen natürlich nichts einzuwenden, aber irgendwann fühlt es sich eben auch nicht mehr besonders realistisch an.Bei Iris war das für mich ganz anders. Sie fühlt sich einfach echt an. Sie ist nicht ständig cool, mutig und überlegen, sondern hat ihre Unsicherheiten, reagiert manchmal vielleicht auch nicht so, wie man es von der typischen Buchheldin erwarten würde, und genau deshalb konnte ich mich viel besser in sie hineinversetzen. Dazu kommt ihre Art zu reden und zu denken, bei der ich wirklich einige Male lachen musste. Ich mochte sie einfach richtig gerne.Auch die Grundidee der Geschichte hat mir total gefallen. Die Anlehnungen an echte Reality-Shows haben für mich richtig gut funktioniert. Natürlich mit dem kleinen Unterschied, dass es dort normalerweise nicht um Leben und Tod geht. ¿ Trotzdem erkennt man viele typische Elemente wieder und gerade diese Verbindung aus Reality-TV und Fantasy fand ich erfrischend anders.Überhaupt hat Emily Bähr für meinen Geschmack bei den Fantasy-Elementen genau das richtige Maß getroffen. Sie sind wichtig für die Geschichte, übernehmen aber nicht komplett das Ruder. Dadurch dürfte das Buch meiner Meinung nach auch Leserinnen und Lesern gefallen, die nicht unbedingt riesige Fantasy-Fans sind.Langweilig wurde es für mich eigentlich nie. Es gibt viele Wendungen und immer wieder Situationen, in denen sich die Geschichte plötzlich in eine andere Richtung entwickelt. Gerade zum Ende hin wurde es dann noch einmal richtig spannend - und dann kam dieser Cliffhanger! Damit hatte ich definitiv nicht gerechnet.Bei der letzten großen Wendung bin ich allerdings noch ein bisschen zwiegespalten. Ich weiß noch nicht so recht, ob ich sie genial finde oder ob sie für mich vielleicht doch etwas zu viel war. Das wird vermutlich davon abhängen, was Emily Bähr im zweiten Band daraus macht. Nach diesem Ende möchte ich den aber sowieso am liebsten sofort lesen.Einen kleinen Kritikpunkt habe ich trotzdem: Die ausführlicheren erotischen Szenen hätte es für mich persönlich nicht gebraucht. Ich weiß, dass Spice mittlerweile in vielen Büchern dazugehört und natürlich ist das einfach Geschmackssache. Für mich hätte die Geschichte aber auch wunderbar ohne beziehungsweise mit weniger detaillierten Sexszenen funktioniert.Insgesamt hat mich "Chosen - Träume aus Gold" aber richtig gut unterhalten. Eine ungewöhnliche Idee, eine herrlich authentische Hauptfigur, genau die richtige Dosis Fantasy, jede Menge Spannung und Wendungen - und ein Ende, das einen ziemlich gemein zurücklässt.