Etwas schwächer als "Ewig Sommer", aber wieder eine typische Gänsler-Geschichte mit vielschichtigen Figuren & interessanten Gedanken. 4,5 ¿¿
"Ewig Sommer" hat mir im Vergleich zwar besser gefallen als dieser Roman, aber ich habe einige positive Parallelen ziehen können. "Wie Inseln im Licht" ist etwas ruhiger, entwickelt sich aber nach hinten raus absolut fantastisch.Franziska Gänsler bleibt ihrem eher unaufgeregten Erzählton bei gleichzeitig spektakulärem Setting auch hier treu. Dieses Mal gibt es weniger Weltuntergangsstimmung, dafür aber tiefe Einblicke in Trauerprozesse sowie ein paar kleine Krimi-Vibes. Nach dem Tod ihrer Mutter reflektiert Zoey nicht nur über deren Beziehung, sondern versucht auch, das Verschwinden ihrer kleinen Schwester aufzuklären. Diese verschwand im Kindesalter der beiden plötzlich aus dem Familienleben und die Protagonistin versucht herauszufinden, welche Rolle sie dabei spielte.Das Ausloten von Erinnerungen und Gefühlen hat Gänsler hier perfektioniert. Zoey erinnert sich an bestimmte Momente, reflektiert aber auch ihre eigene Unsicherheit zu deren Wahrheitsgehalt. Wie stark erwachsene Narrative die Erinnerungen von Kindern formen, wird hier extrem eindrücklich dargestellt.¿Zu Beginn war mir die Geschichte doch einen Ticken zu langsam. Die inneren Monologe der Protagonistin waren zwar wertvoll, um ein Gefühl für den Rahmen zu bekommen, aber das Tempo hätte für mich etwas früher anziehen können. Ab spätestens der Hälfte entfaltet sich die Handlung aber höchst unterhaltsam! Die zusätzlichen Figuren sind stark und trotz kurzer Auftritte erstaunlich vielschichtig.Das ist sowieso etwas, das bei Gänsler auffällt. Sie balanciert verschiedene Enden eines Spektrums, etwa Medizin vs. alternative Heilmethoden, zutiefst menschlich und gleichermaßen nüchtern wie mitfühlend aus. Sie überlässt es damit den Lesenden, ein Urteil über die Entscheidungen der Figuren zu treffen - oder die Ambivalenz und Fehlbarkeit von Menschen auch einfach mal auszuhalten.Neben dem unaufgeregten Einbinden lesbischer Beziehungen sowie anderer politischer Botschaften verbleibe ich also besonders begeistert von diesem speziellen Erzählstil Gänslers: ausdrucksstark, atmosphärisch und emotional vielschichtig. Die Geschichte wird zum Ende hin toll, wenn auch herzzerreißend aufgelöst und ich empfehle den kurzweiligen Roman gern weiter.4,5 ¿¿