Radikales Drama, das soziale Kälte, psychische Zerrüttung und gesellschaftliche Gewalt offenlegt und ein wenig Geduld erfordert
Im Zentrum der Handlung steht der einfache Soldat Franz Woyzeck, der von seinem Hauptmann erniedrigt, vom Doktor für medizinische Experimente missbraucht und von seiner Geliebten Marie betrogen wird. Die andeutungsschwangere Handlung ist geprägt von Woyzecks psychischen und physischen Verfall, die letztlich seine Wahrnehmung kippen lassen, was in einer Schreckenstat gipfelt.Besonders eindrucksvoll ist die innere Zerrissenheit des Hauptprotagonisten Woyzeck, der als Opfer und Täter zugleich dargestellt wird, was ihn besonders lebendig wirken lässt. Die Nebenprotagonisten Marie, Tambourmajor, der Hauptmann und der Doktor besetzen klare Rollen in der Handlung, sind ein wenig überzeichnet dargestellt und tragen wesentlich sowohl zur Handlungs- als auch Charakterentwicklung Woyzecks bei.Wer originelle Geschichten mit Sozialkritik, Charakterstudien und einem sehr ungewöhnlichen Schreibstil mag, wird hier fündig.Der Schreibstil ist knapp, präzise und geprägt von Dialekt und Alltagssprache.Einziger Minuspunkt: Der bereits erwähnte Schreibstil erschwert das Verständnis/den Zugang zur Geschichte, was den Lesespaß mindert.Insgesamt kann ich das Buch empfehlen.