Brooklyn ...
Mit "Romantic Escapes 2 Die kleine Bäckerei in Brooklyn" von Julie Caplin habe ich meine Reise durch die beliebte Wohlfühlreihe fortgesetzt - nachdem ich lange gezögert hatte, überhaupt einzusteigen. Über die Jahre sind mir die Bücher immer wieder begegnet. Die liebevoll gestalteten Cover haben sofort Fernweh geweckt, und die Idee, verschiedene Länder und Metropolen literarisch zu entdecken, fand ich reizvoll. Gerade deshalb, weil viele dieser Orte für mich vermutlich immer nur zwischen Buchseiten erreichbar bleiben werden.Eingestiegen bin ich allerdings nicht mit dem Reihenauftakt, sondern mit "Das kleine Zuhause in Prag", das zufällig als Print bei mir gelandet ist. Es diente als Test, ob die Reihe für mich grundsätzlich funktioniert. Anschließend wollte ich die Bücher dann doch in der vorgesehenen Reihenfolge lesen und griff zu "Das kleine Café in Kopenhagen".Schon dort zeigte sich ein wiederkehrendes Grundmuster: eine Frau bricht aus ihrem bisherigen Leben aus, landet in einer neuen Umgebung, trifft auf einen Mann mit Spannungen am Anfang, und am Ende stabilisiert sich alles in einer vorhersehbaren Romanze. Dieses Schema ist nicht per se schwach, es trägt die Reihe bewusst. Julie Caplin bedient genau dieses Segment von Wohlfühlromanen, die auf Atmosphäre, Kulinarik und romantische Verlässlichkeit setzen. Das gelingt handwerklich solide, wirkt nach mehreren Bänden aber zunehmend statisch, weil echte Variationen im Aufbau fehlen. Ich wünsche mir von der Autorin gelegentlich mehr Mut, vertraute Pfade zu verlassen und die Handlung in unerwartete Richtungen zu lenken."Die kleine Bäckerei in Brooklyn" bestätigt dieses Muster, ohne es weiterzuentwickeln. Die Stimmung ist grundsätzlich warm und die Kulisse Brooklyn wird dekorativ genutzt, ebenso die kulinarischen Elemente rund um Backwaren und Alltag in einer Bäckerei. Trotzdem bleibt die Handlung über weite Strecken ereignisarm. Der Verlauf ist stark vorhersehbar und emotional kaum verdichtet. Spannung entsteht nicht, weil Konflikte früh absehbar und schnell aufgelöst werden.Der Eindruck einer gewissen Austauschbarkeit verstärkt sich im Verlauf der Lektüre. Viele Szenen ziehen sich, ohne neue Dynamik aufzubauen. Prägnante Momente bleiben kaum hängen, wodurch der Roman schnell verblasst. Eine Ausnahme bildeten die Passagen rund ums Backen. Da ich selbst berufliche Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt habe und mich bis heute hobbymäßig damit beschäftige, konnte ich diesen Teil der Geschichte besonders genießen. Die Beschreibungen von Torten, Gebäck und dem Alltag in der Bäckerei hatten für mich deutlich mehr Charakter als manche Figur des Romans.Sophie als Protagonistin bleibt insgesamt blass. Ihre Entwicklung wirkt schematisch, ohne erkennbare innere Reibung oder Kontur. Als Hauptfigur hätte ich mir mehr Ecken, Kanten und Persönlichkeit gewünscht. Stattdessen hatte ich oft das Gefühl, sie lediglich durch die Handlung begleitet zu haben, ohne sie wirklich kennenzulernen. Mit ihr fehlte mir der emotionale Anker, der mich stärker an die Geschichte gebunden hätte. Statt Nähe zur Figur entsteht eher Distanz, weil ihre Entscheidungen vorhersehbar bleiben und kaum psychologische Tiefe entfalten.Nach dem Ende blieb bei mir vor allem Gleichgültigkeit zurück. Ich könnte nicht einmal sicher sagen, welcher Nebencharakter möglicherweise im nächsten Band ins Zentrum rückt. Im Moment verspüre ich auch nicht das Bedürfnis, das sofort herauszufinden. Nach mehreren Büchern brauche ich erst einmal Abstand von der Reihe. Ganz abgeschlossen habe ich mit ihr allerdings nicht. Besonders der Italien-Band reizt mich nach wie vor sehr. Vielleicht führt mich meine literarische Weltreise irgendwann doch wieder zurück zu Julie Caplin.©2026 adlatb