düsterer, beklemmender Geisterroman, der in Erinnerung bleibt
Zugegeben war The warm Hands of Ghosts von Katherine Arden mein erster Geisterroman und ich wurde sehr positiv überrascht.Schon das beeindruckende Cover hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt und dafür gesorgt, dass ich unbedingt wissen wollte, was sich hinter der Geschichte verbirgt.Der Roman spielt zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Zu Beginn befinden wir uns gemeinsam mit dem kanadischen Soldaten Freddie und einem deutschen Soldaten in einem Bunker in Belgien. Beide kämpfen dort ums nackte Überleben.Anschließend lernen wir Laura kennen, Freddies Schwester, die Krankenschwester ist und sich aktuell von einer Granatenangriff erholt. Eines Tages erhält sie ein Päckchen mit seiner Uniform, was in ihr die Vermutung aufkommen lässt, dass ihr Bruder im Krieg gefallen ist. Doch schon bald geschehen merkwürdige Dinge und Laura stößt auf seltsame Hinweise, die Zweifel an seinem Tod wecken.Aus diesem Grund reist auch sie nach Belgien, um Antworten auf das Verschwinden ihres Bruders zu finden. Dort angekommen begegnet sie zahlreichen Gerüchten über Geister und einem mysteriösen Mann, der angeblich die Fähigkeit besitzt, Kriegserinnerungen aus den Köpfen der Menschen zu löschen.Die beiden Protagonisten Freddie und Laura sind Katherine Arden unglaublich gut gelungen. Ich konnte mich in beide hineinversetzen, mit ihnen fühlen und vor allem mit ihnen leiden. Die Figuren wirken authentisch und nahbar, wodurch man sich schnell emotional mit ihnen verbunden fühlt. Man bekommt das Gefühl, als wäre man selbst Teil ihrer Familie.Auch das Setting rund um den Krieg war für mich etwas völlig Neues. Dennoch konnte ich mich schnell darauf einlassen und war beeindruckt davon, wie intensiv Katherine Arden die Atmosphäre beschreibt und darstellt. Die Stimmung ist bedrückend, düster und dauerhaft angespannt. Man spürt den Schmerz, die Angst und die Verzweiflung der Menschen sehr deutlich.Trotz all des Leids enthält die Geschichte auch zwei schöne Liebesgeschichten, die zwischendurch kleine Lichtblicke schaffen. Diese nehmen keineswegs zu viel Raum ein, sondern sorgen vielmehr für emotionale Abwechslung und zusätzliche Tiefe.An den Schreibstil von Katherine Arden musste ich mich anfangs erst gewöhnen, da ich sowohl den Stil als auch das Worldbuilding teilweise etwas außergewöhnlich fand. Dennoch gelingt es der Autorin hervorragend, Orte, Szenen und Emotionen bildhaft und intensiv zu vermitteln.Unter dem Begriff "Geisterroman" hatte ich mir zunächst etwas anderes vorgestellt, wurde jedoch auch hier positiv überrascht.The warm Hands of Ghosts ist ein düsterer, beklemmender und zugleich emotionaler Roman, der noch lange in Erinnerung bleibt.