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Die Eismalerin

Roman. Originaltitel: Karitas àn titils. 'Fischer Taschenbücher Allgemeine Reihe'.
Taschenbuch
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Karitas ist die jüngste Tochter der verwitweten Steinunn Olafsdóttir, die es geschafft hat, dass alle sechs Kinder - auch die Mädchen - die Schule besuchen konnten. Trotz der harten Lebensumstände um 1900 in Island entdeckt Karitas ihr künstlerisches … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Die Eismalerin
Autor/en: Kristín Marja Baldursdóttir

ISBN: 3596169321
EAN: 9783596169320
Roman.
Originaltitel: Karitas àn titils.
'Fischer Taschenbücher Allgemeine Reihe'.
Übersetzt von Coletta Bürling
FISCHER Taschenbuch

1. Juli 2012 - kartoniert - 464 Seiten

Beschreibung

Karitas ist die jüngste Tochter der verwitweten Steinunn Olafsdóttir, die es geschafft hat, dass alle sechs Kinder - auch die Mädchen - die Schule besuchen konnten. Trotz der harten Lebensumstände um 1900 in Island entdeckt Karitas ihr künstlerisches Talent als Malerin. Doch als sie den gut aussehenden Sigmar kennenlernt, steht sie vor der folgenschwersten Entscheidung ihres Lebens.
"'Die Eismalerin' ist ein wunderbares und spannendes Portrait einer tapferen Frau sowie einer ganzen Nation. Und eine Liebesgeschichte der ergreifendsten Art."
Neue Presse
"Kristín Marja Baldursdóttir erzählt von Island vor 100 Jahren so lebendig, dass man meint, mittendrin zu sein: Man riecht förmlich Meer und Fisch - und findet's großartig."
Für Sie

Portrait

Kristín Marja Baldursdóttir ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen in Island. Im Fischer Taschenbuch Verlag sind lieferbar: "Möwengelächter", "Kühl graut der Morgen", "Hinter fremden Türen", "Die Eismalerin", "Die Farben der Insel", "Sterneneis" und "Sommerreigen". Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Reykjavík.

Literaturpreise:

Jónas Hallgrimsson-Preis 2011

Leseprobe

Die Leine sang im Frost, als die Schwestern sie berührten und die Schürzen, die zum Trocknen aufgehängt worden waren und sich vor Kälte aneinander gekuschelt hatten, waren steifgefroren und völlig verwickelt. Ein eisiger Wind aus dem Norden hatte während der Nacht an ihnen herumgezerrt und die Mädchen versuchten, sich vorzustellen, wie er zu Werke ging; blies er zunächst aus dem Norden, dann aus dem Osten und wurde dann zu einem anhaltenden Südwind, oder hatte er sich andersherum gedreht? Sie spähten in alle Richtungen, als wäre der Wind irgendwo sichtbar, mit Kopf und Schwanz, aber er hatte sich schon lange vor dem Morgengrauen über den Berg getrollt. Nur der Frost war geblieben und knarrte unter ihren Füßen.

Die Magd kam auf den Hofplatz hinaus, um nach der Stricknadel zu suchen, die sie beim letzten Anfall verloren hatte. Sie sah die verwickelten Schürzen auf der Leine und nachdem sie sie abgetastet und einen Jammerlaut ausgestoßen hatte, erklärte sie: "Ihr werdet euer ganzes Leben lang so zusammengewickelt sein wie diese Schürzen, meine Lämmchen." Und dann blökte sie in der eiskalten Morgenluft wie ein Schaf, während sie nach der Stricknadel suchte. Da trat die Mutter aus dem Haus. Sie sagte kein Wort, während sie das Schürzengewusel betrachtete, sondern schlang nur das Wolltuch fester um die Brust und kniff wegen des schneidenden Frosts die Augen zusammen. Mit hartem Gesichtsausdruck glitt ihr Blick von den Schürzen hinaus auf die flache breite Bucht mit der starken Brandung, sie starrte durchbohrend auf den Ozean, als wolle sie den Vater ihrer Kinder wieder aus der Tiefe heraufbeschwören. Dann drehte sie sich halb um und blickte zu dem tief verschneiten Berg auf, der sich jederzeit und wann immer es ihm beliebte seiner Last entledigen konnte, um Mensch und Vieh darunter zu begraben. Zum Schluss stand sie mit dem Rücken zum Meer und ließ die Augen über das Tal schweifen und hinauf zur Hochheide, wo der böse Geist lebte. Als sie den Kreis vollendet hatt
e, sagte sie schroff: "Im nächsten Frühjahr ziehen wir in den Norden nach Akureyri."

Morgens war das Meer mittelblau, die Bucht wie ein Porzellanteller mit einem weißen Rand. Die Schwestern glaubten zunächst, dass die Winde in den Westfjorden der Grund für die Entscheidung ihrer Mutter waren, diese kalten Winde aus hohen Höhen, die über den sich in die Täler duckenden Höfen kreisten und dann herabstürzten, um zu zerreißen und zu zerfetzen. Um auf Menschen und Vieh einzudreschen und das Meer aufzuwühlen und zu einem erbarmunglosen Ungeheuer zu machen, das junge Männer verschlingt. Schöne junge Väter, die noch vor Sonnenaufgang voller Zuversicht zum Fischfang ausrudern, aber nach Sonnenuntergang nicht wie versprochen zurückkehren. Karitas wachte nicht selten auf, wenn ihr Vater sich auf den Weg machte, und wenn er sah, dass sie wach im Bett lag, reichte er ihr eine Scheibe Brot mit Farinzucker, die sie verputzte, während alle anderen noch schliefen. Er schenkte ihr den ersten Zeichenblock, den er in Ísafjörður gekauft hatte, weil sie so gut zeichnen konnte. Er sagte, das habe sie wohl von ihm. Ihr Vater konnte wunderschön zeichnen und hatte ihr beigebracht, wie man das macht. Und dann ging er eines Morgens fort und kehrte abends nicht zurück.

Die Schwestern überlegten auch, ob ihre Mutter jetzt vielleicht genug von der Magd und diesen Anfällen hatte. Der armen Frau ging es in der Zeit von Lichtmess bis zur Heiligkreuzmesse immer besonders schlecht, denn zu dieser Jahreszeit hatte der Berg vor vielen, vielen Jahren den weißen Tod in das Tal hinunter geschickt. Sie hatte zwar den Verstand verloren, als die Lawine ihre Kinder verschlang, aber zwischen ihren Anfällen war sie gutmütig und scheute sich nicht vor der Arbeit. Der Umzug hatte aber nichts mit ihr zu tun, das stellte sich heraus, als die Brüder ihre Mutter direkt danach fragten, weshalb sie von hier fortziehen sollten.

"Ihr werdet in Akureyri die Realschule besuchen", sagte sie und fü
gte hinzu: "Ich habe gehört, dass Akureyri eine üppig grüne Stadt sein soll."

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von sommerlese - 16.01.2017
Island um 1915: Die Witwe Steinunn Olafsdóttir zieht mit ihren sechs Kindern nach Akureyri im Norden Islands, damit sie dort zur Schule gehen können - auch die Mädchen. Die Lebensumstände sind hart, ebenso die Arbeit in der Heringsfabrik, wo das Silber des Meeres verarbeitet und eingesalzen werden muss. Die jüngste Tochter Karitas hat eine künstlerische Begabung, sie möchte Malerin werden. Dennoch entdeckt Karitas, die jüngste Tochter, ihr künstlerisches Talent. Ihr größter Wunsch ist es, Malerin zu werden. Sie studiert dank einer Gönnerin auf der Kunstakademie in Kopenhagen. Kaum heimgekehrt, lernt sie den gutaussehenden Sigmar kennen und lieben, und steht vor der folgenschwersten Entscheidung ihres Lebens. Dieser Roman ist durch den historischen Hintergrund besonders authentisch und schön zu lesen. Man taucht durch die realitätsnahen Beschreibungen direkt in die Handlung ein und erlebt das harte isländische Leben dieser Zeit direkt mit. Steinnun und ihre sechs Kinder leben nahe am stürmischen Meer in einfachsten Verhältnissen und ihr Lebensalltag ist geprägt von harter Arbeit in der Heringsfabrik und so alltäglichen Arbeiten wie Wäsche waschen, Gemüse anbauen und für den Wintervorrat haltbar machen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die künstlerisch talentierte Karitas. Ihr Leben wird sehr eindruchsvoll gezeichnet und auch wenn in diese ärmliche Welt augenscheinlich kein Künstlerleben passt, so verliert Karitas ihren Lebenstraum nie aus den Augen, auch wenn sie sich den äußeren Umständen beugt und zunächst darauf verzichtet, ihr Leben als Malerin zu führen. Nach ihrem Studium in Kopenhagen lernt sie Sigmar kennen und lieben. Sie bekommen ein Kind und ziehen in ein einfaches Torfhaus in der Einöde Islands am Fusse eines Gletschers. Die Männer verschwinden immer lange Zeit zum Fischfang, die Frauensolidarität ist hier besonders wichtig. Karitas erleidet einen Zusammenbruch, ist völlig entkräftet und kommt bei Audur, einer kinderreichen Frau ohne Mann unter und lebt mit ihr unter einem Dach. Sie ist die neue Familie und auch Karitas Kinder kommen hier zur Welt. Audur sticht besonders mit ihren klugen Lebensweisheiten heraus und ersetzt Karitas die Mutter und den Lebensgefährten. Sie gibt ihr letztendlich den Mut, zu ihrer Selbstverwirklichung zu stehen. Die Autorin erzählt so wunderbar, man findet sich inmitten der Szenerie wieder und erlebt die Sonnenaufgänge, die dunklen Wintertage und langen Sommertage authentisch mit. Aber man sieht auch die harten Lebensumstände der Menschen zu dieser Zeit, die teilweise ohne Strom und Wasserleitung leben. Vorherrschend ist hier der Fischfang, aber auch die brutal wirkende Robben- und Raubmöwenjagd bringt den Menschen ihre Nahrungsgrundlage. Aber auch interessante Einblicke in die isländische Sagen- und Glaubenswelt machen den Roman zu einer atmosphärischen Lektüre. Mit diesem Roman taucht man tief ein in die isländische Welt vor 100 Jahren. Man erlebt starke Frauenschicksale und eine große Liebe vor der landschaftlich wunderschön geschilderten Kulisse Islands. Ein einzigartig schöner Roman!
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