Interessante Erzählweise, interessante Themenwahl und meiner Meinung auch interessant umgesetzt. Ich mochte es.
MEINUNGIch habe das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen, denn es hat mich irgendwie fasziniert und gepackt.Das Buch erzählt aus der Sicht von der fast fünfzigjährigen Annett und berichtet insbesondere von der Beziehung zwischen ihr und ihrer Tochter. In so einer Beziehung spielen immer sehr viele Faktoren rein, die meiner Meinung nach eindrücklich dargestellt waren.Spannend fand ich den Schreibstil, denn trotz der wenigen Seiten sind in dem Buch viele Themen angesprochen worden. Es ist ein Buch ohne Kapitel, dafür aber mit mehreren Absätzen. Manche Szenen hören vermeintlich mittendrin auf. In einem anderen Buch wären sie vielleicht noch weiter ausformuliert worden, hier hört es auf oder wird ein paar Absätze später vielleicht nochmal zum Thema gemacht. Das mag vielleicht etwas eigen klingen, ich fand aber irgendwie, dass es total gut zu dem Buch gepasst hat. Weil es ein bisschen zeigt, dass Szenen zwar weiter gehen, das Gesagte aber doch manchmal ausreicht. Oder eben das Erzählte interessant hält.Denn insgesamt muss ich auch sagen, dass mit dem Buch das ein oder andere offen bleibt. Auch hier nicht störend, sondern mehr dem tatsächlichen Leben geschuldet.Interesssant umgesetzt fand ich auch längere Dialoge, die in einem Wechsel der direkten und indirekten wörtlichen Rede formuliert waren. Mir haben sie das Gefühl gegeben, dass Annett ihrer Tochter richtig zuhört und in dem Gespräch präsent ist.Ich habe oft Annett, aber auch Linn in ihrem Verhalten nicht bestärken wollen und doch meistens verstanden, warum sie jeweils so gehandelt haben. Es ist ein Buch, das Vergangenes verarbeitet, mit dem Generationenkonflikt spielt und nebenbei noch eindrücklich über Klima-Miseren berichtet. Ganz besonders hat mir hier der Vergleich zwischen einem Klimazertifikat und der Ehe gefallen.Ich mochte, wie der stille Konflikt zwischen Mutter und Tochter aufgezeigt wurde, wie Selbstzweifel thematisiert wurden, vermeintliche No-Gos auf Liebes-Beziehungsebene, generationsbedingte Unterschiede, Familienkonflikte, die Geschichte oder Sagen der Umgebung, in der das Buch spielt, der Kontakt von Annett zu ihren neuen Nachbarn, und und und.Insgesamt ein erstaunliches Buch, das mir gut gefallen hat und ich nur empfehlen kann.KLAPPENTEXTEine Halbinsel im nordfriesischen Wattenmeer. Hier, an der Nordsee, lebt Annett, Ende vierzig, seit vielen Jahren, hier hat sie nach dem frühen Tod ihres Mannes ihre Tochter Linn allein großgezogen. Linn, Mitte zwanzig, ist nach dem Abitur voller Energie in die Welt gezogen, hat sich in schwedischen und rumänischen Wäldern als Umweltvolontärin engagiert, arbeitet für ein Aufforstungsprojekt. Für Annett ist ihre Tochter die Verkörperung von Hoffnung, Sinn und Zukunft. Doch auf einer Tagung, während eines Vortrags kippt Linn um, Kreislaufzusammenbruch, Erschöpfung. Annett holt sie für eine Woche zu sich nach Hause, ans Meer, nahe Husum. Aus einer werden zwei, dann drei Wochen, dann Monate. Zerrieben zwischen Leistungsdruck und Sinnsuche, scheint Linn mit Mitte Zwanzig an einem Nullpunkt. Annett fühlt sich hilflos angesichts der Antriebslosigkeit ihrer Tochter. Mit der Zeit brechen Konflikte auf, zwischen Mutter und Tochter, aber auch zwischen zwei Generationen. Die eine muss die Lebenswirklichkeit der anderen neu verstehen lernen.