Ich geb's zu: Ich war mir unsicher, ob ich nicht vielleicht schon zu alt für dieses Buch bin. Aber nachdem es mir gefühlt hundertmal empfohlen wurde, dachte ich mir irgendwann: Komm, lies es einfach. Und ganz ehrlich? Ich wurde komplett überrascht.Die Geschichte rund um Fiona ist alles andere als ein typisches Jugendbuch. Sie kämpft mit Mobbing, familiären Problemen und einem enormen inneren Druck, den sie nur durch ihre Gedichte irgendwie verarbeiten kann. Als sie dann Zeugin einer Grenzüberschreitung wird, verschieben sich die Perspektiven und plötzlich geht es um viel mehr als nur Highschool Drama.Was mich wirklich umgehauen hat, sind die Themen, die hier angesprochen werden. Mobbing, Gewalt, Übergriffe, psychische Belastung und das alles so intensiv und gleichzeitig so feinfühlig verarbeitet, dass es richtig unter die Haut geht.Besonders stark fand ich, wie realistisch die Entscheidungen der Protagonisten dargestellt sind. Nichts wirkt überzogen oder künstlich dramatisch. Es passt einfach zum Alter, zur Situation und zu dem, was die Figuren erleben. Dadurch fühlt sich das Ganze unglaublich echt an.Und dann gibt es diese eine Szene, die wirklich schlimm ist und genau da zeigt das Buch seine Stärke. Sie wird nicht ausgeschlachtet, nicht sensationsgetrieben erzählt, sondern eher zwischen den Zeilen, ruhig und respektvoll. Das fand ich unglaublich gelungen und ehrlich gesagt auch wichtig.Dieses Buch ist schmerzhaft, ehrlich und gleichzeitig voller Bedeutung. Es zeigt, dass es keinen perfekten Ort gibt, keinen Ort ohne Schatten, aber dass genau darin auch Entwicklung und Verständnis liegen können.Für mich ein absolutes Highlight. Ein Buch, das wehtut, zum Nachdenken zwingt und lange nachwirkt.