Das Abenteuer ist irgendwo zwischen Indiana Jones, James Bond und dem bekannten finster-süffisanten Heitz-Horror angesiedelt und liest sich sehr abwechslungsreich. Dafür sorgt nicht nur die atemlose Hatz rund um den Globus, um das in alle Winde verstreute Kartenspiel einzusammeln, sondern auch die Vorgeschichte des Ganzen, in der Markus Heitz seine Fähigkeiten als Historiker einsetzt, um die Geschichte des Kartenspiels in der frühen Neuzeit zu erklären und die Entstehung des verfluchten Kartenspiels zu zeigen. Tatsächlich sind die als "Intermedium" eingefügten historischen Kapitel letztlich interessanter als die übrige Handlung, denn neben einem gelungenen Porträt der Stadt Leipzig im 18. Jahrhundert führt Heitz den Lesern die Erschaffung von Karten durch den Kupferstecher Bastian und eine alternative Origin-Story für Goethes "Faust" vor Augen.Mit diesen Figuren können die eigentlichen Hauptcharaktere Tadeus und Hyun kaum mithalten. Immerhin lenkt die Spannung ausreichend von Klischees und allzu günstigen Zufällen ab: Sie entkommen russischen Gangstern und wahnsinnigen Sammlern, werden angeschossen, reisen als Verdächtige von der Polizei unbehelligt nahezu überall hin, werden von den verfluchten Karten mit schwarzer Magie bekämpft und überstehen doch fast alles einigermaßen unbeschadet. Tadeus ist als Ex-Zocker anfälliger für die Einflüsterungen der Karten (die in dieser Eigenschaft ein wenig an Tolkiens "Einen Ring" erinnern), während Hyun als Nachfahrin einer koreanischen Schamanin erstaunliche Abwehrkräfte entfaltet. Mehr Figurenzeichnung gibt es nicht.Alles in allem ein recht unterhaltsames Lesevergnügen mit leichter Überlänge, das der Glücksspielthematik eine neue Betrachtung gönnt. Der Mix aus Thriller, Horror und Historienfantasy ist gelungen, auch wenn der Rückblick gern ausführlicher hätte ausfallen dürfen. An vielen Stellen scheint Heitz von Wolfgang Hohlbein gelernt zu haben, was das unnötige Auswalzen von eigentlich klaren Szenen und Aussagen angeht. Da wird paraphrasiert und wiederholt, anscheinend nur, um weitere Seiten zu füllen. Auch an das vermeintliche Finale hängt der Autor noch zwei weitere Szenen mit "Endgegnern" an, bis es dann endlich wirklich vorbei ist.Das eigens für das Buch erfundene Spiel Supérieur wird im Anhang inklusive der Regeln ausführlich beschrieben, es ist sogar im Spieleverlag Pegasus Spiele als eigenes Kartendeck erschienen, obwohl es sich genauso gut mit normalen Pokerkarten spielen lässt. Apropos Anhang: Das Recherchieren muss dem Autor großen Spaß gemacht haben, denn neben dem eigenen Bekenntnis zur Spielfreude finden sich viele historische Anmerkungen, die auf interessante und zugängliche Art die historischen Hintergründe des Kartenspielens und der teils real existierenden Figuren erläutern.Bonuspunkte gibt's für Leipzig als Handlungsort, wo schon mehrere Romane von Markus Heitz spielten von "Kinder des Judas" über "Die Meisterin" bis hin zum bald erscheinenden "Die Villa".Bonusmaterial: Anhang mit Spielregeln und historischen Erläuterungen