Mulford ist ein früher Vertreter des amerikanischen New Thought also jener Denkrichtung, die Geisteshaltung und Lebenswirklichkeit eng verknüpft. Unfug des Lebens und des Sterbens ist kein systematisches Werk, sondern eine Sammlung gedanklicher Essays: locker, assoziativ, stellenweise polemisch.
Sein Kernargument:
Der Mensch leidet weniger an der Welt als an seinen falschen Gedanken über sie. Angst, gesellschaftliche Konvention, moralische Selbstquälerei all das erklärt er zum Unfug. Auch das Sterben verliert bei ihm den metaphysischen Schrecken; es wird zu einem Übergang, den wir durch unsere Denkgewohnheiten dramatisieren.
Stärken:
überraschend modern im Ton
psychologisch hellsichtig
entlarvend gegenüber sozialer Heuchelei
anregend, nicht dogmatisch
Mulford schreibt mit Charme und Nonchalance. Er ist kein Nietzsche, kein Schopenhauer eher ein kluger, optimistischer Außenseiter, der das Leben nicht tragisch, sondern korrigierbar denkt.
Mulford vertraut stark auf die schöpferische Kraft des Individuums. Gleichzeitig bleibt er unpolitisch und unterschätzt strukturelle Machtverhältnisse.
Kein großes philosophisches System aber ein frischer, geistig belebender Impulsgeber. Ein Buch, das eher Denkbewegung als fertige Antwort bietet.
Mein Lieblingszitat:
Den Mut wie eine Flamme in sich tragen,
nichts fürchten und nichts unmöglich nennen,
niemanden hassen, nur seinen Irrtum meiden,
alle lieben, aber das Vertrauen vorsichtig und weise verteilen.