"Das Wasser gehört niemandem. Das Wasser ist ein Niemandsland (...)" (S. 483).Vor der Lektüre habe ich keine einzige Rezension gelesen. Ich wollte mich ganz unvoreingenommen auf den Roman einlassen, und schon ab der ersten Seite hat er mich in seine Welt gezogen.Im Zentrum stehen vier miteinander verwobene Erzählstränge, die alle durch den Ozean verbunden sind: die Lebenswege von Rafi Young und Todd Keane, deren Freundschaft wir über mehrere Jahrzehnte begleiten; das Leben der Biologin Evelyne Beaulieu und ihre Liebe zum Tauchen; und schließlich Makatea, eine kleine Insel im Pazifik, auf der die Bewohner über die Zukunft ihrer Gesellschaft entscheiden sollen. Wir lernen die Gedankenwelten der Figuren kennen, erfahren von ihren Sehnsüchten und Ängsten und erleben ihre Schicksalsschläge sowie Entwicklungen. Die einzelnen Handlungsstränge sind detailreich ausgearbeitet und fügen sich nach und nach zu einem vielschichtigen Gesamtbild.Wie spannend und gegenwärtig die großen Themen sind, die der Roman aufgreift, hätte ich vorher nicht erwartet. Es geht um künstliche Intelligenz, die Zukunft der Menschheit, die Lebewesen im Meer und um die Frage, wie wir leben wollen. Das ist komplexer Stoff, der Aufmerksamkeit verlangt. Die knapp 507 Seiten lesen sich dennoch flüssig. Eva Bonné hat den Roman aus dem Amerikanischen übersetzt.Viele Sätze haben mich innehalten und nachdenken lassen. Mein Gesamteindruck: ein komplexes und lohnenswertes Werk, das ich sehr gern gelesen habe und an das ich mich noch lange erinnern werde. Eine große Empfehlung, nicht nur für Meeresliebhaber*innen, sondern auch für alle, die gern anspruchsvolle, vielschichtige Literatur lesen.