Tempo & Idee klangen vielversprechend, aber weniger Effekthascherei und mehr Substanz hätten mir besser gefallen.
Was würdest du tun, wenn du mehr Angst vor deinem Mann als vor einem Serienmörder hast?Berlin ist in Aufruhr: Ein Killer foltert und tötet Männer auf grausame Art. Sie alle verbindet eine Gemeinsamkeit, sie wurden wegen häuslicher Gewalt angezeigt. Während die Polizei erfolglos den Täter jagt, wendet sich plötzlich das Blatt.Frauen werden ermordet, die Jahre zuvor unter häuslicher Gewalt gelitten haben. Neben ihren übel zugerichteten Leichen liegen Barbie-Puppen und umgeschriebene Gandhi Zitate, die die Ermittler vor ein großes Rätsel stellt.Was hat die mysteriöse Drapierung der Frauenleichen zu bedeuten und wie hängen die beiden Fälle zusammen?Berlin kocht. Ein Killer foltert gewalttätige Männer, doch dann sterben plötzlich misshandelte Frauen. Alle drapiert mit Barbie-Puppen und umgeschriebenen Gandhi-Zitaten.Das klang nach einem gesellschaftskritischen Thriller mit Wucht und war anfangs auch eine wilde Mischung aus Tempo und Tabubruch, gipfelte aber leider in einem komplett überzogenen Finale.¿ Frauenhaus-Chefin als Mastermind hinter den Morden¿ explizite Folterdetails (ausgekugelte Gelenke & Co.)¿ der Männerhass im Dauerloop nervt irgendwann¿ zu viele Figuren, die von der Art kaum zu unterscheiden waren¿ das Finale ist jenseits jeder GlaubwürdigkeitDie Grundidee ist stark: Häusliche Gewalt als Ausgangspunkt für organisierte Racheaktionen. Amy, die Leiterin eines Frauenhauses, bildet betroffene Frauen in Selbstverteidigung aus und steuert im Hintergrund die Tötungen ihrer Peiniger. Ein moralisches Pulverfass, aber leider wird das eigentliche Thema viel zu oberflächlich behandelt und eher als reißerischer Aufhänger genutzt.Statt psychologischer Tiefe gibt es sehr explizite, teils ekelhafte Folterszenen und eine oft ordinäre Sprache. Die Struktur wirkt chaotisch, die Figuren bleiben blass. Wirklich jede Person spricht, denkt und fühlt gleich und das führte dazu, dass es mir irgendwann egal war, wer gerade wen quält oder jagt. Amy sticht noch am ehesten heraus, bekommt mehrere Schauplätze und etwas Profil, der Rest der Frauen verschwimmt und wird zu Statisten.Die Gegenseite wirkt konstruiert, die Barbie-Puppen-Symbolik erschloss sich mir nicht. Und das Ende war an den Haaren herbeigezogen. Irgendwie voller Unmöglichkeiten und auf den letzten Seiten fast lieblos zusammengeschustert. Die Auflösung, wer die Frauen ermordet, war für mich komplett drüber.Tempo hat das Buch, Ideen auch, aber weniger Effekthascherei und mehr Substanz hätten mir besser gefallen.