Wenn System of a Down oder Rage Against the Machine Bücher schreiben würden anstatt Musik machen, dann könnte das Resultat so aussehen. Ich schließe mich der "Warnung" im Klappentext an: Fröhlich stimmt einen dieses Buch ganz sicher nicht, der Blick in die Nachrichten heutzutage aber ja auch nicht. Ein Teil der Texte ist aktueller denn je. Es ist extrem beeindruckend und genaugenommen auch traurig.
Auf die Autorin aufmerksam geworden bin ich durch einen Preis, den sie gewonnen hat für einen Text, der in diesem Buch ebenfalls auftaucht. (Keine Kunst) Eine Persiflage auf die moderne Kunst. Der ist mir im Gedächtnis geblieben sowie ihr starker und selbstironischer Auftritt damals. Hier im Buch kann man stark einen Reifungsprozess feststellen, da die Texte aus unterschiedlichen Zeiten stammen. So nach dem Motto: Als Jugendlicher wollte man rumrandalieren und je älter man wird, desto mehr geht Wut in Überlegtheit über, man macht seiner Kritik anders Luft. Flüchtet sich in Sarkasmus oder Vogelperspektive. Hier für meinen Geschmack manchmal zu viel - trotzdem sind viele geniale Texte dabei. 5 Sterne daher trotzdem. Auf dem best of Album eines Künstlers findet sich ja auch mal ein Song, den man überspringen kann.
Vielleicht muss man Historiker sein, um gewisse Ableitungen aus der Vergangenheit ziehen zu können und sie in die Gegenwart zu übertragen: Man begegnet vielen Texten, die fast eine Dekade alt sind und sich 1:1 auf die Gegenwart übertragen lassen - Seien es Verweise auf Russland oder den Kalten Krieg, der eben nicht vorbei ist oder laut Autorin nie war.
Also: Klare Stöber- und Leseempfehlung für Menschen, die Freude daran empfinden, sich auf philosophische Art und Weise mit Gegenwartskritik auseinander zu setzen.