Eher Roman statt Thriller
Ich bin mit echter Vorfreude in diese Geschichte gestartet. Der Klappentext klang nach genau der Art Thriller, die mich normalerweise komplett verschlingt - abgeschiedenes Hotel, düstere Vergangenheit, ein Schneesturm, der alles von der Außenwelt abschneidet. Und der Einstieg hat mich sofort gepackt: intensiv, unheimlich, voller Versprechen.Doch je weiter ich las, desto mehr entglitt mir die Geschichte. Es fühlte sich an, als würden ständig neue Themen auf mich einprasseln, ohne dass eines davon wirklich Raum bekam. Die Hauptfigur kämpft mit ihrer Vergangenheit, ihrer Psyche, ihrer Familie - und gleichzeitig soll sie einen Mordfall lösen. Statt Spannung entstand bei mir eher ein Gefühl von Überforderung, als würde ich durch Nebel laufen, in dem sich nichts klar abzeichnet.Mit der Protagonistin bin ich leider nie richtig warm geworden. Ihre Unsicherheiten hätten Tiefe geben können, doch sie blieben wie ein grauer Schleier über allem liegen. Auch die Nebenfiguren wirkten für mich eher wie Schatten, die kurz auftauchen und wieder verschwinden, ohne Spuren zu hinterlassen. Dadurch fehlte mir jemand, an den ich mich emotional heften konnte.Das Setting - eigentlich ein Geschenk für jeden Thriller - blieb erstaunlich blass. Ich wollte die Kälte spüren, die Wände des alten Sanatoriums atmen hören, dieses Gefühl von Bedrohung, das in den Bergen lauert. Stattdessen blieb vieles vage, fast austauschbar, als hätte man die Kulisse nur grob skizziert.Und dann das Ende. Ich hatte gehofft, dass sich die losen Fäden zu einem starken Finale verweben würden. Stattdessen wirkte die Auflösung für mich hastig, wenig nachvollziehbar und emotional nicht vorbereitet. Einige Entscheidungen der Figuren fühlten sich unlogisch an, manche Wendungen eher wie Abkürzungen.Trotzdem: Das Buch hat Momente, die funktionieren. Einzelne Szenen sind atmosphärisch dicht, manche Ideen wirklich stark. Aber das Gesamtbild bleibt für mich brüchig - ein Thriller, der viel will, aber nicht alles tragen kann.Mein Fazit: Ein Roman mit großem Potenzial und starken Ansätzen, der mich aber emotional nicht erreicht hat. Solide, aber nicht fesselnd. Drei Sterne für gute Ideen, ein starkes Setting - und die leise Traurigkeit darüber, was daraus hätte werden können.