Nervenkrieg gegen die Uhr
Ich habe mich beim Lesen von "Der Augensammler" wie in einem psychologischen Schleudergang gefühlt, weil dieser Thriller einen von der ersten Seite an komplett verunsichert. Die Idee mit dem perfiden Countdown, bei dem ein Mörder den Vätern genau 45 Stunden Zeit lässt, um ihre Kinder zu finden, hat bei mir einen enormen Puls ausgelöst. Besonders die Figur des Alexander Zorbach hat mich mitgerissen, aber mein heimliches Highlight war definitiv Alina Gregoriev. Ich fand es total faszinierend, wie sie als blinde Physiotherapeutin mit ihren ganz eigenen Sinnen in die Ermittlungen eingreift - das hat der Geschichte eine richtig coole und ungewöhnliche Dynamik gegeben. Was Alina für mich so besonders gemacht hat, war ihre unglaubliche Stärke und die Art, wie sie ihre vermeintliche Schwäche in eine fast schon übernatürliche Beobachtungsgabe verwandelt. Sie ist eben nicht das hilflose Opfer, sondern wird durch ihre Fähigkeit, Dinge zu "sehen", die anderen entgehen, zur unverzichtbaren Partnerin in diesem Albtraum. Es war beeindruckend mitzuerleben, wie sie sich in dieser dunklen Welt behauptet und Zorbach den Spiegel vorhält, während sie gemeinsam versuchen, das Rätsel zu lösen. Was mich aber am meisten erwischt hat, war diese unfassbare Wendung am Schluss. Ich dachte wirklich, ich hätte den Durchblick, aber Fitzek hat mich da komplett kaltgestellt und das ganze Szenario noch einmal völlig auf den Kopf gestellt. Die düstere Atmosphäre und die fast schon körperlich spürbare Panik haben dazu geführt, dass ich die Seiten verschlungen habe, auch wenn die psychologische Brutalität echt an die Nieren geht. Am Ende blieb ich mit einem flauen Gefühl im Magen und tiefer Bewunderung für dieses extrem konstruierte Verwirrspiel zurück, das im Kopf noch lange nachhallt.