Das Buch hilft dabei, sich aus unguten Machtverhältnissen gleich welcher Art zumindest gedanklich zu befreien ...
Ist es möglich, Dinge zu benennen, die an die Scherzgrenze reichen, teilweise darüber hinausgehen, ohne dass sich diese Vorgänge zu sehr in die Gedankengänge der Leser*innen einnisten? Kurze Antwort: Ja, wenn der Autor Takis Würger heißt. Und so gibt es denn tatsächlich zum Schluss eine "doppelte Lösung". Als Leser*in darf man gespannt sein, wie diese aussehen wird. Insofern soll hier nicht mehr verraten werden.Verraten werden soll allerdings die Schwere der Tat, und wie sie hier in Romanform offensichtlich von den besonders "exklusiven" Teilen der britischen Oberschicht als passender Initiationsritus verstanden wird - und somit im engeren Sinne tradiert. Die Taten mögen variieren, das Recht des Mächtigeren, des Stärkeren treibt hingegen nach wie vor die unvorstellbarsten Blüten. Und meist sind es die Männer, die zu Tätern werden (siehe aktuell "Epstein-Files") und sich das Recht nehmen, über andere zu herrschen, sie zu verführen, ihnen Schmerzen zuzufügen, ob diese nun physischer oder psychischer Natur sind. Vergessen werden es die Betroffenen nie.Dieses "Sich-über-andere-Hinwegsetzen" ist das Leitthema dieses wunderbar leichtfüßig geschriebenen Romans. Ich möchte es mit einem wogenden Kornfeld vergleichen, in der der Wind hineinfährt und die Ähren verbiegt, aber der Halm dagegenhält, sodass die Pflanze keinen Schaden davonträgt. Es sei denn, dass ein Platzregen Halm und Korn den Garaus macht. Ganz so flächendecken wie in diesem Beispiel geht es hier nicht zu. Ganz im Gegenteil. Es ist die Elite (Boxer des elitären "Schmetterlings-Club") der Elite (Cambridge-Studenten) die sich hier in ihrem Größenselbst gegenseitig befeuert. Und so über Generationen hinweg dafür sorgen, dass sich hieran wenig ändern wird.Aber zurück zur Präsentation des in mancherlei Hinsicht Schmerzvollen: Die feine, melodische Sprache, in der die Wörter handgesetzt in Sätze fließen, sorgen dafür, dass selbst das Schreckliche ausdrückbar bleibt, ohne dabei den Kern des Verbrechens zu negieren. Dabei hilft die multiperspektivische Erzählweise, sich in die jeweilige Vorstellungs- und Lebenswelt dieser Personen hineinzuversetzen. So ist denn das Schweigen von Hans nicht nur dem Verlust seiner Eltern geschuldet, sondern wohl ein Merkmal, dass es in dieser "blubbernden" Welt nur noch selten zu geben scheint - Zuhören: "Er war erst neunzehn, still, nie witzig, zu klein, schüchtern, aber doch gab er mir dieses Gefühl, das ich fast vergessen hatten. Es gab Momente, da war er weit weg, obwohl er neben mir saß, und meistens war es so, als sei er nur halb da." Um die Jahrtausendwende wurde in dieser Hinsicht vom "Neuen Mann" geredet, inzwischen scheinen sich allerdings die Lautstarken, die Schwätzer erneut durchzusetzen.Das Buch hilft dabei, sich aus unguten Machtverhältnissen gleich welcher Art zumindest gedanklich zu befreien. Das Handeln folgt dann irgendwie ganz von alleine.(27.2.2026)