Ich mochte das Setting und die Ideen, wenn ich auch von der Lösung nicht ganz überzeugt bin und ein bisschen mit dem Handwerk hadere. 3.5/5.
Irene Adams ist eine junge Dame, die der gehobenen Gesellschaft zur Verfügung steht und davon gut und vor allem fast unabhängig leben kann. Bevor sie jedoch zu der wurde, die sie heute ist, ging sie genauso anschaffen wie viele arme Frauen in Whitechapel. Als daher eine alte Freundin von ihr - Martha Tabram - ermordet wird, ist sie nicht nur geschockt, sondern auch entschlossen, den Mörder zu finden. Doch Martha bleibt nicht das einzige Opfer eines Mannes, der sich schnell als Jack the Ripper etabliert. Nach und nach folgen noch fünf andere bedauernswerte Frauen. Irene weiß, dass sie allein zu gefährdet ist und heuert einen Leibwächter an: den ehemaligen preußischen Soldaten William Berger. Gemeinsam folgen sie den blutigen Spuren und decken schreckliche Geheimnisse auf. Wie viele Menschen bin ich morbid fasziniert von Jack the Ripper und genauso wie der Autor habe ich auch alles Mögliche (und vor allem jede Menge Unmögliches) dazu gelesen und recherchiert. Er stellt die These auf, dass es zwei Mörder waren; eine These, die durchaus Sinn ergibt. Ich bin nicht ganz glücklich mit seinem Hauptverdächtigen - dieser wird immer wieder als Ripper genannt, weil er eine zu genaue Beschreibung eines Mannes abgegeben hat, den er als den Ripper bezeichnete. Trotzdem war ich angetan von einigen historischen Fakten, die er hier schön verwoben hat, inklusive eines Ripperverdächtigen, den er wunderbar gerettet hat, ohne ebenjene Fakten zu verdrehen. Interessant fand ich auch, dass er Martha Tabram dem Ripper zuordnet, die offiziell nicht zu den canonischen Fünf gehört. (Bei ihr gehe ich aber mit, dass sie meistens vernachlässigt wird, ärgert mich immer wieder.) Ich gebe zu, bis zum Schluss bin ich kein Fan von William geworden und dass so halb und halb in Richtung Liebesgeschichte geschoben wird - es war beinahe so, als hätte ich geblinzelt und aus der Geschäftsbeziehung wäre mehr geworden, ohne dass es für mich einen ersichtlichen Grund gab. Das brauche ich auch nicht und hoffentlich gibt es das im nächsten Buch auch nicht. Was mich auch immer wieder gestört hat, war die Freizügigkeit Reids, der einem Privatmann - also William - viel zu viele Interna verriet. Für mich passte das einfach nicht. Und last but not least brachten mich immer wieder Sätze raus, die gelacht oder gelächelt wurden. Da hätte das Lektorat eingreifen und dem Autorenhandwerk den letzten Schliff verpassen müssen. Alles in allem bin ich also etwas zwiegespalten, aber doch hooked genug, um die Reihe weiterzuverfolgen. 3.5/5 Punkten.