Tobias Braune-Krickau entfaltet eine Hermeneutik kirchlicher Selbstverständigung, die Kirchenbilder und Idealbilder normativ rekonstruiert. Im Anschluss an Hegel, Honneth sowie praktisch-theologische Ansätze von Gräb und Rössler analysiert er Idealbildungsprozesse in personalen, sozialen und kulturellen kirchlich-religiösen Praktiken.
Tobias Braune-Krickau develops a hermeneutics of ecclesial self-understanding that analyses images and ideals of the church in relation to ecclesial reality and church theory. He draws on the programme of normative reconstruction and immanent critique developed from Hegel to Axel Honneth, which derives normative criteria from concrete practice and its inherent normativity. In the field of contemporary religion and church, the author engages in particular with the practical-theological approaches of Wilhelm Gräb and Dietrich Rössler. On this basis, he develops a model of ecclesial-religious ideal formation which integrates personal, social and cultural dimensions. Special emphasis is placed on the embodiment of images of ideals in ecclesial-religious practices, through which formative images of the church emerge. Analyses of rites of passage, conversion piety and pilgrimage practices illustrate their impact on images of the church. Tobias Braune-Krickau entwickelt eine Hermeneutik kirchlicher Selbstverständigung, die Kirchenbilder und Idealbilder von Kirche in ihrem Verhältnis zu kirchlicher Wirklichkeit und Kirchentheorie analysiert. Ausgangspunkt ist das sozialphilosophische Programm der normativen Rekonstruktion und immanenten Kritik auf der Linie von Hegel bis Axel Honneth, das Maßstäbe aus konkreter Praxis und ihrer inhärenten Normativität gewinnt. Für gegenwärtige Religion und Kirche macht der Autor insbesondere die praktisch-theologischen Ansätze Wilhelm Gräbs und Dietrich Rösslers geltend. Darauf aufbauend entfaltet er ein Modell kirchlich-religiöser Idealbildung, das personale, soziale und kulturelle Dimensionen verbindet. Eine zentrale Rolle kommt der Verkörperung von Idealbildern in kirchlich-religiösen Praktiken zu, an denen sich prägende Kirchenbilder formieren. Analysen zu Kasualien, Bekehrungsfrömmigkeit und Pilgerpraktiken verdeutlichen deren kirchenbildprägende Wirkung.
Inhaltsverzeichnis
Teil I: Praktisch-theologische Problemhorizonte
1. Kirche zwischen Ideal und Wirklichkeit, Bild und Begriff. Ziele und Hintergründe dieser Arbeit
2. Immanente Kritik, immanente Imagination. Zur Idee einer normativen Rekonstruktion' nach Axel Honneth
3. Praktisch-theologische Entsprechungen. Ansätze zu einer normativen Rekonstruktion kirchlicher Praxis in den Arbeiten von Dietrich Rössler und Wilhelm Gräb
Erste Zwischenbetrachtung
Teil II: Strukturen der Idealbildung
4. Die normative Vermittlung der Gesellschaft. Ein normativitätstheoretisches Rahmenmodell in Anlehnung an Talcott Parsons
5. Die seelischen Ambivalenzen der Idealbildung. Psychologische Perspektiven nach Freud und James
6. Die Verkörperung von Idealen in Praktiken. Soziologische Perspektiven der Praxistheorie
7. Die Formalisierung und Generalisierung von Idealen in der kirchlichen Organisation. Soziologische Perspektiven der Organisationstheorie
8. Das kulturelle Gedächtnis kirchlicher Idealbilder. Kulturtheoretische Perspektiven nach Jan und Aleida Assmann
Zweite Zwischenbetrachtung
Teil III: Exemplarische Konkretionen
9. Ein Ort der Verwandlung' . Ideale und Praktiken der Selbsttransformation
10. Erträge und Ausblick. Normative Rekonstruktion der kirchlichen Praxis des Christentums