Letzter, wieder sehr gelungener Akt in einer der besten Krimiserien, die ich jemals gelesen habe
Der zehnte und wohl - leider, leider - letzte Band von Volker Kutschers Reihe über Gereon und Charlotte Rath, geb. Ritter, erschien 2024. Weil Vorfreude die schönste Freude sein soll, habe ich seine Lektüre im Wissen darum, dass es der letzte Band der Reihe ist, etwas hinausgezögert. Familie Rath ist durch verschiedene Umstände auseinandergerissen. Zwar arbeitet Charly weiterhin im Detektivbüro von Wilhelm Böhm in Berlin, aber Gereon ist unter falschen Namen bei der Familie Adenauer in Rhöndorf untergetaucht und nur ganz wenige Menschen wissen, dass er aus den USA zurückgekehrt ist. Fritze lebt gezwungenermaßen bei Familie Rademann und gibt sich handzahm, weil Wilhelm Rademann ihn damit erpresst, Hannah Singer etwas anzutun, falls Fritze sich nicht wohl verhält. Der SS-Offizier Sebastian Tornow macht immer noch Jagd auf Gereon und entwickelt einen teuflischen Plan, wie er Gereon zurück nach Berlin locken kann.Die Erzählperspektive ändert sich ständig, d.h. die Geschichte wird aus der Sicht mehrerer Protagonisten erzählt, was sehr belebend wirkt, weil der Leser ganz verschiedene Sichtweise auf ein und dieselbe Gegebenheit kennenlernt.Leider haben sich auch ein paar kleine Fehler eingeschlichen, so wird aus dem JSK Berlin manchmal ein JFK Berlin und ein paar wenige Vornamen von Nebenfiguren sind plötzlich anders als in den Vorgängerbänden.Einmal mehr ist beispielhaft und vorbildlich, wie Kutscher es versteht, Fiktion und Realität zu verbinden. So wird die Hebamme Natalina "Dolly" Sinatra, die Mutter des berühmten Sängers Frank Sinatra, als Nachbarin von Severin Rath in Hoboken aufgeführt, die Gereon zu einem amerikanischen Pass verholfen hat. Und tatsächlich hat die Familie Sinatra in Hoboken gelebt und seine Mutter war Hebamme. Oder wie er ganz nebenbei den Kommissar Saevecke erwähnt, der eine Fernsehfahndung initiiert und wenn der Leser in der Wikipedia nachsieht, dann lernt er, dass dem wirklich so war. So schafft Kutscher viele Gelegenheiten, etwas dazuzulernen und im besten Fall auch, aus der Geschichte zu lernen.Für mich ganz klar ein würdiger Abschluss dieser Reihe, auch wenn ich mir gewünscht hätte, ja, immer noch wünsche, dass Volker Kutscher diese Reihe über 10 Jahre von 1928 - 1938 noch nicht enden ließe, sondern zumindest bis 1945, am liebsten bis 1948, fortsetzen würde. Aber ich kann natürlich nicht in den Kopf des Autors schauen und wenn er keine ausreichenden Ideen mehr hat oder nicht mehr will, dann akzeptiere ich das natürlich, auch wenn es mir sehr leidtut. Fünf Sterne.