Bei aller Leichtigkeit schwebt oft auch eine leichte Melancholie über dem Geschriebenen, die nicht selten zu bedenkenswerten Passagen führt
Lange bin ich um die Bücher von Joachim Meyerhoff herumgeschlichen, nicht weil sie teils euphorisch besprochen wurden, sondern weil sich dank überbordender Bücherangebote immer auch die Frage stellt, ob man sich wirklich so intensiv mit dem Leben eines Menschen auseinandersetzten will. Kurz: Die Lektüre eines autobiografischen Romans sollte nicht nur unterhalten, sondern sich auch lohnen, das Leben zumindest ein wenig bereichern.Für eine Antwort schien mir der 3. Band aus dieser Reihe durchaus geeignet, versprach er doch eine Mischung aus Selbstfindung (zu Beginn der Geschichte ist der Autor 20 Jahre alt), Generationenkonflikt (er lebt in dieser Zeit größtenteils bei seinen Großeltern) und interessanter Erzählung (Entwicklung als Schauspielschüler). Das klingt zunächst ziemlich steril, ist es aber nicht - dank der skurrilen Großeltern, die ihr Alter nahezu zelebrieren (wobei der Alkohol eine tragende Rolle spielt) und für so manche Pointe herhalten müssen, gewürzt durch die vielfältigen Erfahrungen an der Schauspielschule.Für gute Unterhaltung ist auf jeden Fall gesorgt, die Lachmuskeln werden trainiert und die Fantasie angeregt. Aber sonst? Tatsächlich schwebt bei aller Leichtigkeit oft auch eine leichte Melancholie über dem Geschriebenen, die nicht selten zu nachdenkenswerten Passagen überleiten: "Vielleicht ist ja das ganze Leben so, dachte ich: Man hinterlässt eine Spur. Dann überholt einen die eigene Spur. Und von da an verfolgt man sich selbst, versucht immer genau in dieser Spur zu bleiben, weil man sicher ist, das sei für einen der richtige, der einzig sichere Weg." Fazit: Ein höchst amüsanter autobiografischer Roman, der immer mal wieder zum Nachdenken anregt.(12.6.2021)