Der 1.Satz geht über sage und schreibe 3,5 Seiten. Auch das nachfolgende Kapitel mit seinen endlosen Aufzählungen hat mich ein bißchen überfordert oder zumindest nicht gerade meine Lust gesteigert mit der Lektüre fortzufahren. Dann endlich wird der immer noch sehr besondere, poetische Schreibstil langsam etwas eingängiger, so dass ich dem Buch doch noch eine Chance gebe und es nicht gleich auf die Seite lege. Ein mühsamer Einstieg!Es geht um ein Haus, dass um die Jahrhundertwende herum gebaut wurde, der Eigentümer ein Jude namens Alwin Sternheim lebt in diesem Mehrfamilienhaus mit seiner kleinen Familie und seinen Mietern in friedlicher Eintracht, bis Adolf Hitler auf der Bildfläche erscheint und die Geschichte ihren Lauf nimmt. Dieses Haus ist ein eigenständiger Protagonist und erzählt, was hinter seinen Mauern passiert in der Vergangenheit und im Hier und Jetzt.Heute lebt in der Wohnung, die einst den Sternheims gehörte, Nele mit ihrer Familie. Die Schule könnte besser laufen. Insbesondere die anstehende Geschichtshausaufgabe und Klausur schlägt ihr auf den Magen. Die NS Zeit ist ein Thema, über das in ihrem Elternhaus nicht gern gesprochen wird. Ob ihr Opa ein Nazi war, darf Nele eigentlich nicht fragen, denn schon die Frage ist unerhört. ( Hier ist die Geschichte nicht ganz stimmig, denn rein rechnerisch müssten ihre Großeltern nach dem Krieg geboren sein oder zu Hitler's Erstarken noch Kinder gewesen sein. Die Urgroßeltern wären demnach Täter, Mitläufer oder Widerständler gewesen und nicht die Großeltern.)Da die Eltern ihre Mithilfe verweigern und auf neugierige Fragen mit Abwehr reagieren, hat Nele die Idee mit Irmi, der 90jährigen Dame aus dem 1.Stock zu reden. Die Zeitzeugin hat als Kind mit ihren überzeugten Nazieltern schon in diesem Haus gelebt, ist irgendwann abgehauen und als erwachsene Frau ins Elternhaus zurückgekehrt.Auch Irma selbst stellt sich ihrer Schuld, die sie ihr ganzes Leben begleitet hat.Es werden noch so einige Nebenschauplätze aufgemacht, die für die Handlung nicht relevant sind. Ich hätte mir mehr Fokussierung auf die Hauptfiguren gewünscht und deren Geschichte gerne noch ausführlicher erzählt bekommen.Insgesamt fand ich die Geschichte aber interessant und spannend, eine wichtige Lektüre gegen "das Vergessen" und auf jeden Fall außergewöhnlich in Stil und Sprache und empfehlenswert.