Mit To Break a God beendet Anna Benning ihre Götterlicht-Trilogie rund um Aurora, Colden und die Welt der Götter, die nun in der Menschwelt, in Silver City, leben.
Nach den dramatischen Ereignissen der ersten beiden Bände war ich unglaublich gespannt, wie die Autorin all die offenen Fragen, Geheimnisse und Konflikte zu einem Abschluss bringen würde und ob es Aurora am Ende gelingen kann, die Welt der Menschen und die Welt der Götter zu retten.
Die Machtverhältnisse zwischen Menschen und Göttern haben sich verändert. Nachdem Cassius Aurora entführt hat, jagt Colden ihn durch die Welt. Doch Colden steht als neuer Exarch vor einer gewaltigen Verantwortung, denn dass nicht alle Götter die neue Weltordnung akzeptieren, scheint vorprogrammiert.
Gleichzeitig verfolgt Cassius weiterhin seine geheimnisvollen Pläne, deren Ursprung weit in die Vergangenheit der Götter zurückreicht.
Der Einstieg in To Break a God ist mir ausgesprochen leichtgefallen. Besonders hilfreich fand ich die kurze Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse zu Beginn des Buches. Zwar hätte diese für meinen Geschmack gerne etwas ausführlicher ausfallen dürfen, aber sie reicht aus, um die wichtigsten Entwicklungen noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Trotzdem würde ich unbedingt empfehlen, die Trilogie in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Ohne die beiden Vorgänger dürften viele Zusammenhänge und vor allem die Beziehungen zwischen den Charakteren kaum nachvollziehbar sein.
Anna Benning schafft es erneut, mich mit ihrem mitreißenden Schreibstil schnell in die Geschichte hineinzuziehen. Die Handlung entwickelt sich zügig, es passiert unglaublich viel und es wird eigentlich nie langweilig in der Geschichte. Durch die angenehm große Schrift liest sich der Roman zudem erstaunlich schnell.
Besonders gelungen finde ich die unterschiedlichen Erzählperspektiven. Sie ermöglichen einen direkten Einblick in die Gedanken und Gefühle der Figuren und machen ihre Beweggründe verständlicher. Ich finde, dass man so viel mehr Verständnis für die Charaktere aufbringen kann. Dazu machen die unterschiedlichen Perspektiven das Buch lebendiger.
Vor allem Aurora ist in diesem Band interessant, denn in ihr scheinen inzwischen zwei Stimmen miteinander zu ringen: ihre eigene und die des Zepters. Dieser innere Konflikt gehört für mich zu den spannendsten Aspekten des Romans. Wie lange kann sie sich gegen eine Macht behaupten, die immer stärker wird? Und was bleibt am Ende von ihrer eigenen Persönlichkeit?
Auch Cassius rückt diesmal deutlich stärker in den Mittelpunkt. Die Rückblicke in die Vergangenheit der Götter haben mir besonders gut gefallen, weil sie eine ganz andere Seite von ihm zeigen. Während er in den bisherigen Bänden vor allem als machtbesessener Gegenspieler erschien, wird nun deutlich, dass seine Geschichte wesentlich komplizierter ist. Plötzlich bekommt man Einblicke in seine Kindheit, seine Enttäuschungen und seine Beziehung zu seiner Familie. Das hat bei mir tatsächlich Mitgefühl geweckt und meine bisherige Einschätzung seiner Person immer wieder ins Wanken gebracht.
Gerade diese Ambivalenz fand ich spannend, denn ansonsten sind die Charaktere für meinen Geschmack häufig recht eindeutig gezeichnet. Man weiß relativ schnell, wer welche Rolle einnimmt, welche Entscheidungen zu erwarten sind und auf welcher Seite die Figuren stehen.
Über die gesamte Trilogie hinweg haben sich Aurora und Colden durchaus weiterentwickelt, doch ausgerechnet im dritten Band hatte ich das Gefühl, dass diese Entwicklung etwas ins Stocken gerät.
Colden ist dafür ein gutes Beispiel. Einerseits hat er durch seine Liebe zu Aurora eine weichere und verletzlichere Seite entwickelt, andererseits wirkt er in seiner neuen Rolle als Exarch stellenweise erstaunlich unsicher und wenig entschlossen. Dabei müsste er gerade jetzt über sich hinauswachsen. Auch Aurora trifft Entscheidungen, die mich gelegentlich ziemlich überrascht haben und die ich nicht immer vollständig nachvollziehen konnte. Wobei das natürlich teilweise auch zum Plot Twist der Geschichte zählt.
Überhaupt hätte ich mir bei einigen Entwicklungen etwas mehr Zeit gewünscht. Manche Figuren halten über Jahrhunderte an ihren Überzeugungen fest, nur um diese innerhalb weniger Augenblicke vollkommen infrage zu stellen. Solche Sinneswandel erschienen mir stellenweise zu plötzlich und hätten für meinen Geschmack mehr Raum verdient.
Ein großes Lob verdient dagegen erneut die optische Gestaltung. Das wunderschöne Cover und der aufwendige Farbschnitt machen To Break a God zu einem echten Hingucker im Bücherregal. Die Illustration in der Buchmitte fand ich persönlich zwar etwas kitschig und nicht unbedingt notwendig, insgesamt ist die Gestaltung aber wirklich gelungen.
To Break a God ist ein mitreißender, emotionaler und ereignisreicher Abschluss der Götterlicht-Trilogie. Anna Benning versteht es, ihre Leser mit einem flüssigen Schreibstil, spannenden Geheimnissen und einer großen Liebesgeschichte an die Seiten zu fesseln.
Besonders die Rückblicke in die Vergangenheit der Götter, die Erweiterung der fantastischen Welt und die intensive Verbindung zwischen Aurora und Colden haben mir gefallen. Gleichzeitig hätte ich mir bei einigen Charakterentwicklungen und vor allem beim Finale etwas mehr Tiefe und Zeit gewünscht. Manche Wendungen kommen sehr plötzlich und nicht jede Auflösung konnte mich vollständig überzeugen.
Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen und wollte natürlich unbedingt erfahren, wie diese außergewöhnliche Geschichte endet.
Für mich ist To Break a God ein gelungener, wenn auch nicht ganz perfekter Abschluss einer Trilogie, die vor allem von ihrer spannenden Grundidee, der Verbindung zwischen göttlicher Macht und menschlichen Gefühlen sowie ihrer großen Liebesgeschichte lebt. Wer Aurora und Colden bereits durch die ersten beiden Bände begleitet hat, wird sich dieses Finale sicherlich nicht entgehen lassen wollen.