Dass Dirk von Lowtzow nicht nur Kreativhead von Tocotronic ist, sondern auch schreibt, ist nicht neu. Dass er zwischen 1999 und 2019 als Kunstkritiker für 'Texte zur Kunst' geschrieben hat, erfahren wir nun mit dem unlängst im Berliner Verbrecher Verlag erschienenen sehr schönen Band 'Detektive'. Ein Archiv seiner Begegnungen mit Künstlern, Filmen, Bildern und der Kunstwelt, das sichtbar macht, wie konsequent sich von Lowtzows Leidenschaften Musik und Kunst durchdringen.
Kunstkritiken zu lesen ist ja nun so eine Sache. Dirk von Lowtzow ist ein Meister der Worte, jede:r Tocotronic-Hörer:in kann das bestätigen, und deshalb lesen sich diese Texte so angenehm. Doch das ist nicht der einzige Grund. Dirk von Lowtzow nähert sich seinen Objekten als neugieriger Beobachter und Spurensucher, die Texte sind klug, aber nicht akademisch verschwurbelt. Sein Blick ist offen für Abseitiges, Düsteres, Überraschendes. Wir erfahren viel über die jeweilige Kunst, aber eben auch über Pop-, Musik- und Subkultur; Comics und Musik, natürlich allem voran Tocotronic, sind Teil der Kunstwelt. 'Detektive' ist klug, witzig, angenehm unakademisch. Dirk von Lowtzow erklärt Kunst nicht, er lässt ihr ihren Zauber. Er folgt ihren Spuren, verliert sich gelegentlich, findet neue. Vielleicht ist 'Detektive' weniger ein Buch über Kunst als über das Sehen. Darüber was geschieht, wenn wir lange genug hinsehen.