Kurzmeinung: Ein vergnügliches Eintauchen in die Gedankenwelt eines vom Kurfürsten geförderten Pioniers, der umgeben ist von missgünstigen Höflingen.
Wie kein anderer lässt Florian Illies Menschen, die unsere Kulturgeschichte mitbestimmt haben, und deren Schicksale wieder aufleben. Sein Protagonist Kunckel ist Chemiker kein Alchemist. Er hat schon den Sprung vom Aberglauben zur Wissenschaft getan, nur die Außenwelt will noch nicht so recht mitziehen. Sie misstrauen seinen Künsten und vor allem gönnen sie ihm nicht die Nähe zum Kurfürsten, von deren Wohlwollen alle abhängig sind. Der seine Gunst vor allem aber auch über fremde Hugenotten ausschüttet, die wegen ihrer Religion verfolgt werden und aus dem Nachbarland ins vom Krieg verwüstete Brandenburg fliehen. Nicht uneigennützig will er, dass die talentierten französischen Handwerker sein Land wieder aufbauen und aufblühen lassen. In seinem neuen Buch mit dem Titel Träume aus Feuer, im neuen Pfaueninsel-Verlag erscheinen, erzählt Illies die Geschichte von Johannes Kunckel, der Unmögliches leisten soll und für seine Künste reich belohnt wird. Die Pfaueninsel in der Havel wird ihm geschenkt, um dort Gold herstellen, aber vor allem auch sein reines Kristallglas und das begehrte funkelnde Rubinglas.
Der Herrscher will ein zweites Murano mit Hilfe von Kunckel erschaffen. Doch die Glaswerkstatt ist beileibe nicht eingerichtet. Das soll Kunckel mit seinen Arbeitern selber bewerkstelligen. Es muss gerodet werden und gebaut. Deshalb muss auch eine Mühle errichtet werden, damit die Frauen der Mitarbeiter diese mit ausreichend Brot und Bier versorgen können. Alle Geheimnisse der Herstellung dürfen die Insel nicht verlassen und so sind die Arbeiter, die die Feueröfen am Laufen halten, mit ihren Familien auf der Insel gefangen. Eine harte Arbeit, unwirtliche Bedingungen und Missgunst überall. Kunckel träumt gegen alle Widerstände und stellt mit der Förderung des Fürsten traumhafte Meisterwerke aus Glas her.
Das Buch taucht ein in die Gedankenwelt des Mannes, der unter Druck neues erträumt und schafft. Illies zeichnet mit einer solch intensiven Erzählkraft einen Träumer, der voller Optimismus auf Fortschritt hofft, der in einer Welt des Umbruchs lebt, dass es einen Sog erzeugt. Man möchte Kunckel mit seinen Problemen nicht alleine lassen und muss einfach weiterlesen. Es ist Illies gelungen, den Barock und die Situation am Potsdamer Hof lebendig werden zu lassen. Und er zeigt auch, wie das Glück kippen kann, denn der Sohn des Fürsten ist ein ganz anderer als sein Vater. Kunckel ist jemand, der in einer kurzen Zeitspanne Großes leistet und die kurze Zeit ist einem als Leser durch das schmale Buch mit nur etwa 140 Seiten so nahe gebracht worden, dass einen eine tiefe Dankbarkeit erfüllt, es gelesen zu haben.